Rezension

Tanz auf Glas // Ka Hancock

Manche Bücher treffen einen völlig unvorbereitet, so wie beispielsweise Tanz auf Glas. Man geht ohne große Erwartungen an die Geschichte ran und plötzlich ist man dermaßen gefangen, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Doch damit nicht genug. Selbst wenn man die letzte Seite schon lange gelesen hat, klingt die Story immer noch nach. Sie lässt einen einfach nicht mehr los…


Tanz auf Glas | Ka Hancock
Droemer Knaur | 2015 | 528 Seiten | Einzelband
erhältlich als: Paperback | eBook


Der Inhalt

Vielleicht hätten Lucy Houston und Mickey Chandler sich nie verlieben dürfen. Und erst recht nicht heiraten. Denn beide haben ein schweres Schicksal zu tragen. Doch die Liebe geht ihre eigenen Wege, und so führen Lucy und Mickey eine ungewöhnliche, aber glückliche Ehe. Vor vielen Jahren haben sie sich das Versprechen gegeben, keine Kinder in ihre unsichere Welt zu setzen. Als Lucy plötzlich doch schwanger wird, steht nicht nur das Fundament ihrer Beziehung auf dem Prüfstand, sondern auch die Kraft ihrer Liebe.
[ Quelle: Droemer Knaur ]

Meine Meinung

Eigentlich wäre jedes Wort zum Inhalt schon zuviel. Es gibt schon einen Grund, warum der Klappentext so wenig hergibt. Am liebsten würde ich über die Story an sich gar nichts sagen, aber ganz ohne geht es nicht. Wer sich also ganz unvoreingenommen auf das Buch einlassen möchte und auch den Inhalt selbst erforschen mag, der sollte hier nun aufhören mit lesen. Allerdings so ganz ohne kleine Bemerkungen zur Story geht’s einfach nicht.

Eine Liebe mit Hindernissen

Lucy und Mickey lieben sich, da besteht kein Zweifel. Und dabei muss das Paar nicht nur mit einem schweren Schicksal klar kommen, sondern gleich mit zweien. Mickey ist manisch-depressiv, weswegen er immer wieder schlimme Phasen durchlebt, die sich auch auf sein Umfeld auswirken. Eigentlich ist er medikamentös gut eingestellt, doch kurz vor einem Schub bekommt Mickey generell das Gefühl, er müsse seine Medikamente selbständig anpassen, was dann erst recht zu einer manisch-depressiven Phase führt.

Eine Beziehung ist schon allein aufgrund eines solchen Krankheitsbildes sehr belastet. Doch auch Lucy hat mit ihrem eigenen schweren Schicksal zu kämpfen. In ihrer Familie sterben die Mitglieder viel häufiger an Krebs als dies im Normalfall passiert und die junge Frau hat selbst bereits einmal den Krebs besiegt. Da die Ehe zwischen den beiden permanent ein Kampf ist und viel Arbeit bedarf, sind sich Lucy und Mickey einig, dass sie mit deren beider Erbgut kein Kind in die Welt setzen wollen. Und dann wird Lucy aber doch schwanger…

Anfängliche Schwierigkeiten

Tanz auf Glas wurde mir von meiner Mama empfohlen, allerdings nicht auf die „das solltest du mal lesen“-Art, sondern eher in die „dieses Buch ist so toll und traumhaft und spannend und einnehmend, das MUSST du lesen“-Richtung. Also hab ich mir mal den Klappentext durchgelesen und muss ehrlich gestehen, dass mich da die Motivation noch nicht so recht gepackt hat. Denn so richtig was her gibt dieser Klappentext wirklich nicht. Also hab ich es erst einmal nicht gekauft. Doch meine Mama hat nicht locker gelassen und mir das Buch kurzerhand geschenkt.

Wenn mir jemand so nachdrücklich zu einem Buch rät, muss wahrscheinlich schon was dran sein, also hab ich es direkt zur Hand genommen – und nach 10 Seiten wieder im Regal verschwinden lassen. Es war nicht der richtige Zeitpunkt oder die richtige Stimmung, wer weiß das schon immer so genau? Alles in allem hatten Tanz auf Glas und ich keinen allzu guten Start miteinander. Als ich es dann schließlich doch wieder zur Hand nahm, hab ich ehrlich gesagt nicht mit dem gerechnet, was dann kam.

Tanz auf Glas

Denn als ich das Buch beendete, ließ es mich einfach nicht mehr los. Ka Hancock hat mit ihrem Debutroman irgendetwas tief in mir berührt, das diese Geschichte für mich unvergesslich machte. Dieses Buch nimmt einen voll ein, lässt einen vor Rührung seufzen und hinterlässt gleichzeitig blutige Wunden. Leichte Lektüre sieht definitv anders aus, denn mehr als einmal musste ich das Buch für den Tag aus der Hand legen, da man die komplette Packung einfach nicht auf einmal verkraftet.

Eine Geschichte, die einem direkt ins Herz geht

Ka Hancock spielt mit liebevollen Charakteren, Schicksalsschlägen, Trauer, Wut und paart dies alles mit einem unvergesslichen, wunderbar lesbaren Schreibstil. Dabei wechselt die Erzählperspektive immer wieder zwischen Lucy und Mickey hin und her, was natürlich die Folge hatte, dass man in beide Gefühlswelten einen umfassenden Einblick erhält. Zunächst steht vor allem Mickey und seine Erkrankung im Mittelpunkt der Geschichte und ich empfand es einerseits als faszinierend aber auch erschreckend auf der anderen Seite, wie Hancock die manisch-depressiven Schübe darstellt. Wo ich mir zuvor gar kein klares Bild von diesem Krankheitsbild machen konnte, verschaffte mir die Autorin nun einen Einblick ins Innere eines Betroffenen.

Dann geht die Geschichte plötzlich in eine ganz andere Richtung und die Ereignisse, die zuvor ein recht durchschnittliches Tempo vorgelegt hatten, überschlugen sich etwas. Der Fokus verschiebt sich ein wenig in eine Richtung, mit der ich ehrlich nicht gerechnet hatte. Die Stimmung wird düsterer und immer bedrückender, das Buch nimmt einen immer mehr mit. Doch Ka Hancock spielt mit ihren Lesern, indem sie immer wieder Einschübe aus der Vergangenheit erzählt, in denen man kontinuierlich erzählt bekommt, wie Lucy und Mickey sich kennen- und lieben gelernt haben. Man taumelt immer wieder zwischen Romantik und positiven Gefühlen und Trauer, Unglauben und Bedrückung hin und her.

Mein Fazit

Mit Worten lässt sich kaum beschreiben, um was für ein grandioses Buch es sich hier handelt. Auch wenn es die meiste Zeit über einen wirklich traurigen, bedrückenden Hintergrund aufweist, waren dadurch gerade die schönen Seiten umso ergreifender. Freud und Leid lagen selten so nah beieinander wie bei der Liebesgeschichte von Lucy und Mickey. Die Geschichte lässt einen auch lange nach der letzten Seite einfach nicht mehr los und ich kann mit gutem Gewissen behaupten, dass Tanz auf Glas definitiv eines der besten Bücher ist, das ich jemals gelesen habe! Lasst euch darauf an und ihr werdet mit einer wunderschön traurigen Geschichte belohnt.

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