Rezension

Kalte Asche // Simon Beckett

Mit Die Chemie des Todes hat Simon Beckett einen grandiosen Auftakt zu seiner David Hunter-Reihe geschrieben. Und mit Kalte Asche geht die Reihe nun in die zweite Runde, nicht weniger spannend oder aufregend. Doch das Setting hat sich stark verändert. Lesenswert ist das Buch aber auf jeden Fall wieder.


Kalte Asche | Simon Beckett
Rowohlt | 2008 | 432 Seiten | #2 der David Hunter-Reihe
Original: Written in bone | übersetzt von: Andree Hesse
erhältlich als: Taschenbuch | eBook


Achtung! Bei diesem Buch handelt es sich um die Fortsetzung einer Reihe, daher kann die Rezension Spoiler enthalten.

Der Inhalt

Asche zu Asche, Staub zu Staub, Leben zu Tod

Asche ist alles, was von ihr übrig geblieben ist. Fast alles. Als der Rechtsmediziner David Hunter die Überreste der Frau in einem verfallenen Cottage auf der schottischen Insel Runa zum ersten Mal erblickt, weiß er sofort: Dieser Tod war kein Unfall. Er will seine Erkenntnisse dem Superintendent mitteilen, doch die Leitung bleibt tot. Ein Sturm hat die Insel von der Außenwelt abgeschnitten. Da geschieht ein weiterer Mord …
[ Quelle: Rowohlt ]

Meine Meinung

Nach den Ereignissen, die sich in dem kleinen Dorf, in welchem Hunter sich eigentlich verstecken wollte, ereignet haben, hat es den Anthropologen wieder zurück in die Großstadt gezogen. Er hat seinen Posten als kleiner Allgemeinmediziner wieder an den Nagel gehängt und ist zurück zu seiner eigentlichen Berufung. Als wäre er nie weg gewesen, hat Hunter direkt wieder ins Metier gefunden und reist, da heißbegehrt, von einem Tatort zum anderen.

Eigentlich schon fast wieder zuhause, nachdem er gerade von einem Tatort kommt, erreicht ihn ein Anruf von der Insel Runa. In einer heruntergekommenen Hütte hat man eine Leiche gefunden, von der nicht mehr viel übrig ist. Die Frau ist ganz offensichtlich verbrannt, doch das kleine Cottage, in dem sie gefunden wurde, weist um sie herum keinerlei Anzeichen eines Brandes auf. Wurde die verkohlte Leiche nach dem Brand noch transportiert? Das soll David Hunter nun herausfinden.

Hunter kehrt zurück zu seinen Wurzeln

Zum bereits zweiten Mal begleiten wir David Hunter bei seinen Ermittlungen, wobei er dieses Mal mehr freiwillig bei der Sache ist. Er arbeitet wieder in seinem alten Beruf und wird von den Polizeibehörden aus ganz Großbritannien zur Hilfe gerufen. Das schlägt sich allerdings auch auf seine doch sehr frische Beziehung nieder. Aber auch ein David Hunter kann nicht aus seiner Haut und wenn er etwas tut, dann tut er es eben mit Feuereifer. Daher kann er auch den Anruf von Runa nicht einfach ignorieren.

Der Ausgangsfall ist wirklich spannend angelegt. Die Leiche wurde definitiv in Brand gesetzt und zerfällt nun fast schon beim Ansehen. Doch der Tatort an sich weist keinerlei Brandspuren auf. Bei solchen kleinen Unmöglichkeiten schlägt mein Thrillerherz natürlich gleich mal höher. Das ist ein wenig, wie wenn Agatha Christie in ihren Krimis eine Leiche hinter verschlossener Tür findet. Doch Simon Beckett löst dieses Rätsel relativ schnell, weswegen man dann eigentlich wieder in einem „normalen“ Thriller steckt.

Ein Mörder auf einer Insel, die vom Festland abgeschnitten ist

Allerdings besticht Beckett dieses Mal mit einer unglaublichen Atmosphäre. Als Setting hat er sich eine einsame Insel während eines Sturmes rausgesucht, was der Story eine richtig bedrückende Stimmung verpasst. Kurz nach seiner Ankunft wird die Insel aufgrund des Regens und des Windes vom Festland abgeschnitten, nach und nach bricht auch die telefonische Kommunikation zusammen. Und David Hunter ist klar: der Mörder befindet sich noch immer auf der Insel. Und schnell muss er erkennen: er ist mit dem Töten noch nicht fertig.

Kalte Asche

Im Vergleich zum ersten Teil der Reihe schmiert Kalte Asche ein wenig ab. Zwar ist das Buch an sich wirklich spannend und einnehmend, allerdings ist es von einem ganz anderen Schlag wie es der Vorgänger war. Becketts Schreibstil fehlte dieses Mal einfach etwas das Tempo. An manchen Stellen hätte es dem Fortgang wirklich gut getan, wenn er ein wenig auf’s Gas getreten hätte.

Zu viel Setting, zu wenig Handlung?

Dafür muss man dem Autor zugute halten, dass er es wieder einmal schafft, den Leser bis zum letzten Moment hinters Licht zu führen. Immer, wenn man gerade denkt zu wissen, wer der Täter war, wendet sich das Blatt komplett und es wird klar, dass der Gedanke nicht ans Ziel führen kann. Simon Beckett ist wahrlich ein Meister der Täuschung…

Das machte das Buch einerseits wirklich spannend. Allerdings habe ich den Tick, dass mir zu übertriebene Settingbeschreibungen irgendwann auf den Nerv gehen. Und Kalte Asche lebt vor allem durch seine düstere Stimmung. Die peitschenden Winde, der unaufhörliche Regen, dann spielt der Großteil der Story bei Nacht… Natürlich führt das dazu, dass man sich richtig eindenken kann. Aber das Hauptaugenmerk hätte vielleicht mehr auf der eigentlichen Story liegen sollen.

Mein Fazit

Auch wenn sich meine Rezension im Ganzen betrachtet nicht so ganz begeistert anhört, ist Kalte Asche ein grundsolider Thriller. Wer David Hunter bereits im ersten Teil für sich entdeckt hat, der wird auch im zweiten Teil wieder seine Freude an der Geschichte haben. Ich hatte beim Lesen trotzdem irgendwie das Gefühl, als würden sich die Bücher doch sehr voneinander unterscheiden. Das ist mehr so eine Art Bauchgefühl, das man kaum mit Worten beschreiben kann. Bei anderen Reihen dieses Genres hatte ich mehr das Gefühl des „nach Zuhause kommen“. Für Fans der Reihe auf jeden Fall ein Must-Have!

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