Rezension

{Abgebrochen} Die vierte Schwester // Kate Atkinson

Wenn man sich den Klappentext zu Die vierte Schwester durchliest, dann erwartet man eine spannende Geschichte mit vielen unerwarteten Wendungen. Man erwartet einen ausgeklügelten Kriminalfall, das Verschwinden und Suchen eines kleinen Mädchens und vielleicht auch, dass man den Protagonisten schon einmal näher kennenlernt. Doch was man mit Die vierte Schwester bekommt ist ein Buch mit viel zu vielen Handlungssträngen, zuvielen Charakteren und keiner Spannung.

Zu Beginn des Buches begleitet man eine Familie, die gar nicht so glücklich ist, wie es vielleicht den Anschein macht. Vater, Mutter und vier Töchter. Der Vater verbringt seine Zeit am liebsten zurückgezogen in seinem Büro und die Mutter kann mit ihren Töchtern so gar nichts anfangen. Die Ausnahme dabei bildet allerdings die Kleinste, Olivia. Das Mädchen wird nicht nur von ihrer Mutter vergöttert, auch innerhalb ihrer Geschwister nimmt sie einen ganz besonderen Platz ein. Während die drei ältesten Schwestern sich gegenseitig eher wenig schätzen, verbindet auch sie die grenzenlose Liebe zu Olivia. Und eines Tages ist das kleine Mädchen verschwunden.

30 Jahre später stirbt der Vater. Als die Schwestern das alte Haus aus ihrer Kindheit ausräumen, finden sie dort das Stofftier, ohne das Olivia keinen Schritt getan hat. Die Suche nach dem Mädchen beginnt 30 Jahre nach deren Verschwinden von Neuem…

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An sich könnte man dem Buch einiges abgewinnen. Es handelt sich nicht um den klassischen Kriminalfall, zumal Atkinson sich auch nicht eines normalen Ermittlers bedient. Jackson Brodie ist nicht bei der Polizei, sondern Privatdetektiv. Das finde ich im Regelfall eigentlich immer spannend. Aber hier ist so ziemlich alles in die Hose gegangen, was nur in die Hose gehen konnte.

Es werden bereits in den ersten 70 Seiten mehrere Handlungsstränge aufgemacht, die alle mit mindestens 3 verschiedenen Charakteren daher kommen. Damit ist man schon gezwungen, das Buch schnell wegzulesen. Denn wenn man diese Geschichte einmal drei Tage liegen lässt, findet man danach den Einstieg nicht mehr. Das kann schon zum Problem werden, muss es aber nicht notwendigerweise.

Viel mehr geärgert hat mich aber, dass die Handlungsstränge alle durch die Bank weg langweilig waren und keinerlei Spannung aufgekommen ist. Immer, wenn man dachte, jetzt könnte es doch mal ein wenig fesselnd werden, wird ein Cut gemacht, um die Perspektive zu wechseln. Und dann vergeht wieder eine Ewigkeit, bis man zu einem Handlungsstrang wieder zurück kommt. Mir ist diese Vorgehensweise sehr auf die Nerven gegangen und nach ungefähr einem Viertel habe ich das Buch zugeschlagen.

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Die vierte Schwester mag vielleicht kein schlechtes Buch sein, doch dazu muss man sich zunächst einmal durch den grottigen Einstieg durchquälen.Dafür war mir meine ohnehin schon stark begrenzte Lesezeit einfach zu schade. Die Geschichte kommt einfach nicht richtig in Fahrt und versäumt es total, seinen Leser abzuholen. Es werden zuviele Handlungsstränge aufgemacht, was zur Folge hat, dass man Ewigkeiten braucht, wieder zu einem bereits angesprochenen zurückzukommen. Wie soll man da die Charaktere kennenlernen?


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Die vierte Schwester | Kate Atkinson
Droemer Knaur Verlag | 2006 | 448 | #1 der Jackson Brodie-Reihe
Original: Case Histories
erhältlich als: TaschenbucheBook

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