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Mein Referendariat – Der Ablauf

Hallo ihr Lieben und willkommen zu einem neuen Off-Topic-Post. Beim letzten Mal hab ich euch ein wenig von meinem Studium erzählt. Das hab ich zwischenzeitlich ja abgeschlossen. Es hat etwas länger gedauert als ich das geplant hatte. Aber wie sagt man so schön? Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mach Pläne. Und generell bin ich immer gerne diejenige, die jemanden zum Lachen bringt.

Wer mit seinem Jurastudium irgendwann einmal Anwalt, Richter oder Staatsanwalt werden will, der muss auch das zweite Staatsexamen ablegen. Dafür muss man nach dem ersten StEx zwei Jahre ins Referendariat und nach zwei Jahren nochmals eine riesen Mammut-Prüfung ablegen. Der Gedanke dahinter ist der, dass man im Studium eigentlich nur die Theorie beigebracht bekommt. Hinzu kommt, dass vor allem bei rechtlichen Problemen jede einzelne Meinung auswendig gewusst werden muss. Brauchen wir nun alles nicht mehr. Toll, oder? Jetzt ist vor allem wichtig, was die Rechtsprechung so macht. Die Meinungen aus der Literatur, die wir alle schön auswendig gelernt haben, will kein Mensch mehr hören.

Aber zurück zum Thema. Das Referendariat soll uns also praktisch ausbilden. Was allerdings auch nicht heißt, dass wir eben nur noch praktisch arbeiten. Im Gegenteil. Wir schreiben regelmäßig, ca. alle zwei Wochen Klausuren, und haben auch (fast) jede Woche AG, also Arbeitsgemeinschaft. Dort kommen dann Rechtsanwälte, Richter und dergleichen und halten quasi zu bestimmten Themen Vorlesungen.

Insgesamt sind wir 13 Referendare, was eine ziemlich überschaubare Gruppe ist und auch sicherstellt, dass wir alle gut betreut sind. Hinzu kommt, dass die Stadt, in der sich unser Landgericht und die Staatsanwaltschaft befindet, ebenfalls sehr klein ist, weswegen wir es sehr „intim“ und ländlich haben. Die Umgebung ist auf jeden Fall sehr schön, um dort zu arbeiten und sehr viel idyllischer als beispielsweise in so einem Betonblock, wie es das LG Stuttgart ist. Glücklichweise verstehen wir uns untereinander ganz gut, obwohl wir alle sehr unterschiedlich sind.

Das Referendariat ist in mehrere Stationen eingeteilt. Jede Station beginnt mit einem Einführungslehrgang, in dem wir meist zwei Wochen lang auf das vorbereitet werden sollen, was da vor uns liegt. Dann wird jeder Referendar einem eigenen Ausbilder zugeordnet (bzw. in einigen Stationen können wir uns den Ausbilder selbst aussuchen, dazu gleich mehr). Die einzelnen Stationen sind:

  • Zivilstation
    Die Zivilstation steht gleich am Anfang des Referendariats, was mir persönlich sehr gelegen kam, da ich es mit Zivilrecht nicht so habe. Sie dauerte 5 Monate, vom 1. April bis 31. August, und ist damit erst kürzlich zu Ende gegangen. Dabei wird jeder Referendar einem Richter am Landgericht zugeteilt. Neben dem normalen AG-Unterricht, arbeiten wir dann also auch am Gericht mit. Wir nehmen an Verhandlungen teil, schreiben Urteilsentwürfe und wälzen Akten.
  • Strafstation
    Seit dem 1. September bin ich nun in der Strafstation. Die ist entweder bei der Staatsanwaltschaft oder bei einem Strafrichter abzuleisten. In unserem Landgerichtsbezirk ist es üblich, dass wir jeder einem Staatsanwalt zur Seite gestellt werden. Zu dem Aktenwälzen und dem AG-Unterricht kommt noch der Sitzungsdienst hinzu. Erstmals werden wir Referendare alleine auf die Menschheit losgelassen. Im Zivilrecht durften wir lediglich mit im Raum sitzen, geleitet wurde die Verhandlung vom Richter selbst. Nun dürfen wir als Vertreter der Staatsanwaltschaft alleine in Verhandlungen. So richtig mit Robe und allem drum und dran. Plötzlich hat man wirklich das Gefühl, dass man mitarbeitet und nicht nur als „Azubi“ nebenher läuft. Richtig spannend.
  • Anwaltsstation I
    Ab dem 15. Dezember wechseln wir dann in die erste Anwaltsstation. 4,5 Monate lang werden wir in der Kanzlei eines Anwalts mitarbeiten. Hierbei unterscheiden sich die Ausbildungen wohl sehr voneinander. Während die einen nur zuschauen dürfen, nehmen andere Anwälte ihre Referendare als richtige Arbeitskraft auf. Hier durften wir uns unseren Ausbilder selbst aussuchen. Da wir bereits Ende August angeben mussten, wohin wir gerne wollen, weiß ich natürlich schon, wo ich lande. Ich hab bei einem Anwalt hier in der Stadt angefragt und er hat mich sofort total nett aufgenommen. Da er Fachanwalt für Strafrecht ist, was ja genau mein Steckenpferd ist, und die Kanzlei sehr nett wirkte, freu ich mich schon auf die Zeit.
  • Verwaltungsstation
    Ab 1.Mai nächsten Jahres steht die Verwaltungsstation an. Verwaltung ist jetzt auch so ein Teilbereich, auf den ich nicht wirklich scharf bin, aber ich konnte mir einen ganz guten Platz sichern. Mit etwas Glück und der nötigen Portion Vitamin B habe ich den einzigen Platz beim Polizeipräsidium bekommen. Die meisten gehen zur Stadt, aber das wäre wohl mein Alptraum.
  • Anwaltsstation II
    Daran schließt sich eine zweite Anwaltsstation an. Wo ich die machen werde oder auch in welchem Rechtsgebiet, weiß ich noch nicht. Bei uns Referendaren gilt die zweite Anwaltsstation auch gerne als „Tauchstation“. Es ist nämlich die letzte Station vor dem schriftlichen Examen und mit Arbeit und AG kommt man nur mäßig zum Lernen. Daher suchen wir uns meist einen Anwalt, der Verständnis für die Situation hat und uns nicht so arg einspannt. Ich hoffe, ich finde ebenfalls einen solchen.
  • Wahlstation
    Zwischen schriftliche und mündliche Prüfung schließt sich als krönenden Abschluss die Wahlstation an. Wie der Name schon sagt, haben wir hier eine große Auswahl. Solange ein rechtlicher Bezug vorliegt, wird uns da relativ viel Freiheit gelassen. Momentan spiele ich mit dem Gedanken, mich in einer JVA zu bewerben. Aber ich schau mal, was da auf mich zukommt.

Das ist also der grobe Umriss meines Referendariats. Ich dachte mir, ich berichte euch immer nach Ende meiner Station, wie sie mir gefallen hat und was wir so getan haben. Mir gefällt vor allem die Einteilung in bestimmte Rechtsgebiete. Anders als noch im Studium kann man sich so auf genau dieses Gebiet konzentrieren. Zum Nachteil wird es eben dann, wenn man in den anderen Stationen nicht am Ball bleibt.

Momentan hab ich sehr viel Spaß in der Staatsanwaltschaft. Man merkt endlich, für was man sich jahrelang den Hintern aufgerissen hat. Wurde auch Zeit 🙂


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Interessieren euch die Posts über mein Referendariat und hättet ihr gern mehr davon? Oder soll ich es lieber lassen?


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7 Kommentare

  • Antworten Wortgestalt 30. Oktober 2016 at 21:05

    Wow, Nellys, das klingt ehrlich beeindruckend! Und sehr spannend, anstrengend und aufregend gleichermaßen! Ich wünsche dir für die Zeit alles, alles Gute und freu mich schon, wenn du nach den einzelnen Stationen von deinen Erlebnissen berichtest, das ist super interessant und klingt furchtbar erwachsen und ernst und hach, ich weiß auch nicht, einfach sehr cool!! Viel Erfolg!!!!! 🙂

    • Antworten Nelly 2. November 2016 at 14:55

      Hey ich hab mich sehr über deinen Kommentar und deine lieben Worte gefreut.
      Es ist schon wirklich sehr spannend, zumindest wenn man gerade in den Stationen ist, für die einem das Herz schlägt. Für mich ist das momentan die Staatsanwaltschaft, daher bin ich schon etwas traurig, dass ich Ende des Monats schon wieder fertig bin.
      Aber darüber werde ich dann auch nochmal ausführlich berichten 🙂

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Kate 2. November 2016 at 14:17

    Hallöchen,
    schön, dass du wieder einen Einblick in deinen beruflichen Werdegang gibst 🙂
    Alle zwei Wochen Prüfungen sind aber schon heftig. Da tust du mir richtig leid.
    Das klingt alles so wahnsinnig interessant, dass ich es jetzt ein bisschen bereue, mich gegen ein Jura-Studium entschieden zu haben 🙁
    Ich wünsche dir noch ganz viel Spaß im Referendariat und hoffe, du bekommt den Platz im Polizeipräsidium 🙂

    Liebste Grüße,
    Kate ♥

    • Antworten Nelly 2. November 2016 at 22:37

      Hallo Kate,
      ich freue mich, dass diese Posts über mein berufliches Leben doch so gut ankommen.
      Die Klausuren alle zwei Wochen haben vor allem Übungscharakter, daher ist es nicht so schlimm, wenn ich mal eine verhaue, aber das Streßlevel ist dadurch natürlich schon immer auf einem hohen Niveau.
      Den Platz bei der Polizei hab ich schon seit einigen Wochen sicher. Geht aber erst im Mai los.

      Warum hast du dich denn gegen das Jurastudium entschieden?

      Alles Liebe, Nelly

      • Antworten Kate 6. November 2016 at 13:26

        Oh, es freut mich für dich, dass du den Platz hast 🙂
        Alle sagen ja immer, dass ein Jura-Studium heftig ist. Das hat mich ein klein wenig abgeschreckt. Aber der Hauptgrund war eigentlich, dass ich mir nicht vorstellen konnte, in einem Gerichtssaal zu stehen und mich vor Richter und anderen Anwälten zu behaupten.

        Liebste Grüße ♥

  • Antworten Tatze 15. November 2016 at 22:42

    Hey Nelly 🙂

    auch wenn das für mich nichts ist, finde ich es doch interessant etwas über dein Referendariat zu erfahren. Natürlich bin ich jetzt schon auf deine Berichte zu den einzelnen Stationen gespannt!

    Liebe Grüße,
    Tati

    • Antworten Nelly 19. November 2016 at 11:43

      Huhu Tati, ich freu mich, dass diese Off-Topic-Posts doch ganz gut ankommen. Da freu ich mich schon darauf, den nächsten zu schreiben 🙂

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