Rezension

Arztroman // Kristof Magnusson

Arzt- und Krankenhausgeschichte ziehen mich magisch an. Obwohl ich niemals selbst in einem solchen Beruf arbeiten könnte, lese ich gern darüber oder schaue mir Serien oder Dokumentationen darüber an. Da ist es nicht ganz verwunderlich, dass ich bei einem Buch mit dem Titel ‚Arztroman‘ einfach zugreifen musste. Doch manchmal ist einfach nicht das drin, was draufsteht.

Anita ist in den 40-ern, lebt in Berlin und arbeitet als Notärztin beim Rettungsdienst. Vor einem Jahr haben sie und ihr Mann, Adrian, sich getrennt, woraufhin dieser mitsamt dem Sohn Lukas zur neuen Lebensgefährtin Heidi gezogen ist. Ihr Job ist für Anita nicht nur ein Beruf, sie findet in ihm Ruhe und Frieden, denn beim Rettungsdienst hat alles seine klaren Vorgaben, vorgezeichnete Strukturen, an die man sich zu halten hat. Kein Platz um auszubrechen…

Ein Blick hinter die Kulissen

Anitas Privatleben dagegen liegt seit der Trennung eher auf Eis, bis sie in einem Cafe einen flüchtigen Bekannten wieder trifft und mit diesem im Bett landet. Und dann findet sie ihren Exmann auch noch bewusstlos auf der Behindertentoilette, als dieser sich in der Mittagspause selbst mit Hilfe von Narkosemitteln auf einen Trip schickt. Um all diese Komplikationen wieder ins Reine zu bringen, veranstaltet sie einen Bootstrip, mit der gesamten Mannschaft. Neben ihrem Exmann und ihrem Sohn sind außerdem auch die neue Lebensgefährtin Heidi und der One-Night-Stand Rio (der aber vielleicht doch nicht nur für One Night war) mit von der Partie. Doch am Ende des Tages ist nichts so, wie Anita sich das vorgestellt hatte.

In das Cover habe ich mich auf Anhieb verliebt, da ich Berlin liebe und für jemanden, der bereits Berlin besucht hat, ist sofort zu erkennen in welcher Stadt sich die Handlung abspielt. Die Idee, den Krankenwagen in diesen typischen U-Bahn-Kacheln darzustellen, gefällt mir wirklicht gut.

arztroman

Kristof Magnusson beschreibt das Leben der Notärztin Anita. Sein Schreibstil ist dabei einfach, flüssig und das Buch liest sich recht fließend in einem Rutsch weg. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Anita. Richtig sympathisch war mir von Anfang an Maik, Arbeitskollege und Kumpel von Anita, unserer Protagonistin. Maik ist schwul, geht damit ganz offen um, ehrgeizig, zielstrebig und hat keine Angst, seine Meinung zu sagen und die Konsequenzen zu tragen. Sein Liebeskummer tat mir wirklich Herzen weh, da Maik ein Mensch ist, dem man nie im Leben was Böses wünschen würde. Sehr gefallen haben mir auch die Szenen, in denen Anita und Maik zu einem Notfall gerufen werden, da man auch mal einen Einlick in das Leben eines Rettungsteams bekommt und wie der Alltag bei ihnen aussieht.

Wenig Notfallmedizin – viel privates Drama

Leider dominieren beim Zuschlagen des Buches die negativen Aspekte. Vielleicht bin ich mit falschen Erwartungen an das Buch herangegangen oder vielleicht fehlt mir für diese Art von Literatur einfach das Verständnis. Aufgrund des Klappentextes habe ich eine Geschichte um eine Frau mittleren Alters erwartet, die ihr Leben neu in die Hand nimmt und dieses umkrempelt. Zu Beginn des Buches ist die größte Veränderung aber schon passiert, nämlich die Trennung von Anita und ihrem Ex Adrian, der daraufhin mitsamt dem Sohn zu seiner neuen Freundin gezogen ist. Eigentlich ein guter Ausgangspunkt für eine Frau, nochmal ganz von vorne anzufangen. Und tatsächlich lernt Anita gleich zu Anfang Rio kennen und landet mit ihm im Bett.

Doch dann passiert…. nichts mehr…. Ich habe verzweifelt nach einer Handlung gesucht. Das, was ich zu lesen bekam, war einfach nur das langweilige 08-15-Leben einer 08-15 Frau in den Vierzigern. Die Frage ist aber, ob ich das in einem Buch lesen muss… Schließlich haben mich auch die Charaktere (bis auf Maik) wirklich nicht vom Hocker gerissen. Adrian ist total farblos, spricht im Ganzen keine 10 Sätze und zeigt auch so nicht wirklich Interesse an irgendetwas. Seine neue Freundin Heidi ist der Inbegriff des Klischee „der Neuen“. Und Anita selbst schießt den Vogel ab. Ihr Verhalten hätte ich einer 14-jährigen zugetraut, aber nicht einer erwachsenen Frau.

Trotz eines wirklich guten Potenzials hat mir Arztroman leider nicht gefallen. Vor allem der Charakter von Anita hat mir die guten Seiten des Buches vermiest. Einzig und allein die guten Notfall-Berichten sind positiv aufgefallen.


Arztroman | Kristof Magnusson
Kunstmann | 2014 | 320 Seiten | Einzelband
erhältlich als: Hardcover | eBook | Hörbuch


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5 Kommentare

  • Antworten Monja 19. August 2014 at 6:45

    Schade das dir das Buch nicht so gefallen hat, trotzdem sehr tolle Rezension.
    Ich liebe Arztromane, aber diesen hier werde ich wohl eher nicht lesen

    • Antworten Nelly 19. August 2014 at 6:57

      Alle übrigen Rezensionen, die ich bisher davon gelesen hab, waren durchweg positiv. Vielleicht hab ich es einfach wirklich nicht verstanden oder hatte zu hohe Erwartungen…

    • Antworten Monja 19. August 2014 at 7:07

      Ich glaub jeder hat einen anderen Geschmack

  • Antworten Katja W. 19. August 2014 at 7:15

    Hallo Nelly,
    eine interessante Rezension, mich hätte aber schon das Cover allein vom lesen abgehalten. Arztromane sind glaube ich eh nichts für mich. Aber vielleicht findest du ja bald einen besseren Arzt-Roman. 🙂
    Ich lass dir noch einen Tag da. Würde mich freuen wenn du mitmachst.
    http://katja-welt-book.blogspot.de/2014/08/tag-fictional-bucket-tag.html

    Liebe Grüße
    Katja

  • Antworten Nelly 19. August 2014 at 7:22

    Normalerweise les ich eigentlich auch keine Arztromane aber irgendwie hat es mich doch interessiert.

    Hab den Tag schon angefangen, weil das Thema toll ist. Bin schon ganz hibbelig

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