Rezension

Bringt sie zum Schweigen // Ramon Maria Winter

Eine Reihe blutiger Vorfälle versetzt das verschlafene Nest Whispertal in Angst und Schrecken. Als es erste Todesopfer gibt, bricht unter den Bewohnern Panik aus. Der Landarzt Nordström versucht auf eigene Faust den Geschehnissen auf die Spur zu kommen. Doch er legt sich mit den falschen Leuten an und wird zum Gejagten. Die Welle der Gewalt breitet sich unaufhaltsam aus und die Polizeichefin Betty Jäger beginnt zu ermitteln. Dabei riskiert sie mehr als einmal ihr Leben, um Nordström aus der Schusslinie zu bringen.

Kleindruck auf 550 Seiten

Als ich dieses Buch bei Blogg dein Buch entdeckt habe, hat mich vor allem mal das Cover aufmerksam gemacht. Ich hatte mal wieder unglaublich Lust auf einen genialen, spannenden Thriller. Der Inhalt auf der Homepage hat da allerdings nicht wirklich etwas verraten. Aber irgendetwas hat mich geritten, dem Buch eine Chance zu geben.

Als es bei mir ankam, ist mir als erstes Mal die Schriftgröße aufgefallen. Das Buch hat zwar „nur“ 554 Seiten, aber es ist unglaublich klein gedruckt und das Buch ist etwas größer als die üblichen Paperbacks. Daher ist es an sich ein getarnter Wälzer. Hab dafür wirklich lange gebraucht, um es fertig zu lesen. Wer sich also nur nen spannenden Thriller für einen verregneten Sonntag-Nachmittag sucht, der sollte lieber zu einem anderen Buch greifen.

Mitten in der Idylle plötzlich eine unbekannte Krankheit

Die Geschichte wurde rund um den Protagonisten Nordström gewebt, der als Landarzt in einem verschlafenen, kleinen Dorf praktiziert. Doch von beschaulichen Landleben kann nicht die Rede sein, denn plötzlich fangen die Hunde im Dorf an, sich aggressiv zu verhalten und schnell greifen sie auch die ersten Menschen an. Die Tiere zeigen alle die gleichen Symptome: Aggressivität, blutige Augen, Apatheit. Schnell wird klar: eine neuartige Seuche schlägt seine Klauen in das Dorf.

bringt sie zum schweigen

Eigentlich ist der Autor mit seinem Thema total up to date in Zeite von „Walking Dead“. Und auch die Idee, eine Seuche um sich greifen zu lassen, hat mich eigentlich wirklich fasziniert. Ich lese solche Geschichten gerne, vor allem wenn es sich um eine Krankheit handelt, da so Fiktion und Wirklichkeit gut miteinander verbunden werden können. Doch leider war die Idee des Buches auch schon alles, was mich an diesem Buch gefesselt hat.

Immer wieder gestörter Lesefluss

Nein, halt…. auch der Schreibstil war ganz in Ordnung. Zumindest großteils. Die Art, die Ramon Marai Winter die Geschichte erzählt, ist nichts unglaublich außergewöhnlich, lässt aber eine flüssiges Lesen zu. Nicht gefallen hat mir allerdings, dass Nordstörms bester Freund Shooter immer wieder die falschen Wörter in seinen Sätzen benutzt und von anderen darauf hingewiesen wird.

Wer allerdings viel liest, kennt das Phänomen, dass man Sätze lesen kann, ohne jedes Wort einzeln zu erfassen und manchmal wäre mir das falsche Wort gar nicht aufgefallen und wenn dann von einer anderen Figur auf Shooters Sprachfehler hingewiesen wurde, musste ich mir die Sätze nochmals durchlesen. Irgendwie hat mich das in meinem Lesefluss total gestört, zumal diese Einschübe absolut ohne Sinn geblieben sind.

Farblose Charaktere ohne Ecken und Katen

Die Charaktere haben mich einfach kalt gelassen. Weder Nordstörm als Hauptfigur, noch die zahlreichen Nebencharaktere, haben mich in irgendeiner Weise berührt oder werden mir lange in Erinnerung bleiben. Ich kann noch nicht mal sagen, dass sie mir unsympathisch waren. Einige davon waren auch mit ein wenig Hintergrund ausgestattet, doch der Funke ist nicht übergesprungen.

Hinzu kam, dass vor allem Nordstörm immer wieder Aktionen bringt, bei denen der Leser vor dem Buch sitzt, den Kopf schüttelt und sich denkt: „wie doof kann er denn sein?“. Mir ist schon klar, dass die Geschichte um einiges actionleerer gewesen wäre, wenn sich der Protagonist nicht in jede heikle Situation gestürzt hätte, aber das ist so mein Hauptproblem mit diesem Buch: obwohl die Auflösung der Story schon Hand und Fuss hatte, liegt der Schwerpunkt einfach in Kämpfen mit Hunden, irgendwelchen Fluchten oder sonstigen gefährlichen Situationen, in denen irgendetwas in die Luft fliegt oder aus tausend Gewehren geschossen wurde. Wer mich und meinen Blog kennt weiß: Verfolgungsjagden und ähnliches unterhalten mich nur peripher, wenn sie ein gewisses Maß übersteigen.

bringt sie zum schweigen

Manchmal muss man sich einfach auch mal kurz und knapp fassen

Hinzu kam, dass sich das Buch ab Seite 200 einfach tierisch in die Länge zieht. Wenn man da sein Augenmerk mehr auf die Geschichte an sich gelegt hätte und weniger Episoden der oben genannten Art eingebaut hätte, hätte es ein gutes Buch werden können. Doch mich hat schnell die Lust verlassen und daher habe ich wirklich lange gebraucht, das Buch zu beenden, da ich mich immer wieder selbst dazu zwingen musste, weiterzulesen.

Das Ende der Geschichte konnte mich auch nicht überzeugen. Für meinen Geschmack wurde einfach zu wenig darauf hingearbeitet und war für mich auch in einigen Hinblicken nicht komplett glaubwürdig. Alles in allem nicht so ganz mein Buch.

Im Großen und Ganzen konnte mich das Buch nicht wirklich abholen. Viel Text bedeutet noch lange nicht auch eine Qualität für das Buch. Für meinen Geschmack wurden hier die Schwerpunkte einfach falsch gesetzt. Außerdem hätten 250 Seiten weniger dem Buch auch nicht geschadet. Man will den Leser schließlich unterhalten und ihn nicht langweilen. Wirklich schade, da mir die Grundidee, die dem Buch zugrunde lag, wirklich gefallen hat.


Bringt sie zum Schweigen | Ramon Maria Winter
Scylla | 2014 | 554 Seiten | Einzelband
erhältlich als: Paperback | eBook
Weitere Meinungen zum Buch: Tintenblog | Books of both worlds


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1 Kommentar

  • Antworten Madlen T 25. März 2016 at 18:59

    Huhu Nelly,

    ist ja Schade, dass dich das Buch nicht so überzeugen konnte.
    Beim Cover kann ich total verstehen, dass es dich erst mal in den Bann geschlagen hat. Es sieht schon ziemlich genial aus. 😉 Meiner Meinung nach, kann ein Buch nicht mehr wirklich bei einem Punkten, wenn einem die Charaktere nicht zusagen bzw. man nicht mit ihnen warm wird. Demnach kann ich deine Kritik da vollkommen nachvollziehen, da würde mir der Spaß am Buch auch langsam vergehen, erst recht, wenn es dann noch so ein Wälzer ist. Wirklich eine tolle Rezi, die auch deine Kritikpunkte klar und verständlich aufzeigt!

    Ganz liebe Grüße
    Leni =)

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