Rezension

Die Saat des goldenen Löwen // George R.R. Martin

Eigentlich kann ich mit Fantasy, zumal High Fantasy, eher wenig bis gar nichts anfangen. Doch manchmal gibt es eben DIE Ausnahme. Und „Das Lied von Eis und Feuer“ ist diese Ausnahme für mich. Angefixt wurde ich, wie viele andere wahrscheinlich auch, durch die TV-Serie. Zwischenzeitlich habe ich vier der bisher erschienenen 10 Büchern gelesen und heute möchte ich euch gerne erzählen, wie mir Die Saat des goldenen Löwen gefallen hat.


Die Saat des goldenen Löwen | George R.R. Martin
Blanvalet Verlag | 2011 | 672 Seiten | #4 vom Lied von Eis und Feuer
Original: A Clash of Kings | übersetzt von: Andreas Helweg
erhältlich als: Broschierte AusgabeeBookHörbuch MP3 CD


Der Inhalt

Bürgerkrieg zerreißt das Reich Westeros, und der junge grausame König Joffrey Baratheon hält die Schwestern Sansa und Arya Stark als Geiseln, um ihren Bruder zur Treue zu zwingen. Während die ältere Sansa versuchen will, das beste aus der Situation zu machen, entscheidet sich Arya zur Flucht. Doch der Weg zu ihrer sicheren Heimat in Winterfell ist lang, und die verschiedenen Parteien, die im Bürgerkrieg aufeinanderprallen, sind nicht die einzige Gefahr für das junge Mädchen … [ Quelle: Blanvalet ]

Die Geschichte

Wenn man einmal angefangen hat mit dieser Reihe, dann kann man nicht mehr aufhören. George R.R. Martin schafft es, den Leser dermaßen gefangen zu nehmen, dass man immer mindestens einen Handlungsstrang hat, bei dem man unbedingt wissen möchte, wie er weitergeht. Denn Handlungsstränge gibt es ja mehr als genug in dieser Geschichte. Und mit der Zeit fängt man an, Lieblingscharaktere zu bekommen, denen man dann natürlich auch entgegenfiebert. Mir hat es vorallem Tyrion angetan.

„Der Junge hatte keine Armee außer den Goldröcken und er wird von einem Eunuchen, einem Zwerg und einer Frau beherrscht“, hörte sie einen der geringeren Lords nach ein paar Bechern Wein murmeln.

Aber obwohl ich von der Reihe an sich wahrlich begeistert bin, konnte mich Teil 4 der Reihe nun nicht so ganz überzeugen. Das ging schon damit los, dass ich nicht so ganz in die Geschichte reingefunden habe. Das mag aber auch zu einem großen Teil daran liegen, dass die englischen Originalausgaben immer in zwei deutsche Ausgaben gesplittet wurden. Das heißt, dass man beim Einstieg in den deutschen Band 4 eigentlich schon mitten in der Geschichte drin ist. Wer dann, wie ich, Teil 3 schon vor einigen Wochen gelesen hat, muss erst einmal wieder den Einstieg finden. Da tat ich mir (im Gegensatz zum Beginn von Band 2, wo ja dasselbe Problem auftauchen müsste) wirklich schwer.

Die Charaktere

Nachdem ich mir dann endlich wieder vor Augen geführt hatte, wo wir in welchem Handlungsstrang gerade standen, ging das Ganze dann etwas flüssiger. Die Charaktere hat man dabei recht schnell wieder vor Augen, immerhin hat der Autor sie doch sehr markant gezeichnet. Wie schon in den Rezensionen zu den ersten drei Teilen kann ich nur immer wieder betonen, wie sehr mir die TV-Serie geholfen hat, mir die Charaktere immer wieder vor Augen zu führen. Denn auch nach 1800 Seiten vom Lied von Eis und Feuer hatte ich immer noch stellenweise Schwierigkeiten, die unglaubliche Vielzahl an verschiedenen Personen alle korrekt zuzuordnen.

Hinzu kommt dieses Mal noch, dass Martin an vielen Stellen einfach nur Namen aufzählt, die für mich als Leser völlig uninteressant sind. So werden ziemlich zum Schluss die Namen sämtlicher Schiffe einer riesigen Flotte aufgezählt. Ich kann Martins Genauigkeit und seinen Perfektionismus nur bewundern, doch ehrlich gesagt, ist mir relativ egal, wie welches Schiff heißt. Auch Lords und Ritter und weiß der Kuckuck was sonst noch für Menschen werden einmal ausführlich benannt, tauchen dann aber gar nicht mehr auf. Bei der bereits genannten Vielzahl an wichtigen Charakteren kommt man da schnell mal durcheinander. Den Überblick zu behalten war dieses Mal um einiges schwerer als noch in den Vorgängern.

Martin, George R.R. - Das Lied von Eis und Feuer 04 - Die Saat des goldenen Löwen 02

Meine große Liebe in den letzten Teilen galt vor allem den Charakteren. Schnell lernt man einige davon lieben und ein paar davon hasst man einfach, weil sie so abgrundtief böse sind. Aber irgendwie liebt man sie genau deswegen auch wieder. Ich hoffe, ich drück mich einigermaßen verständlich aus. Natürlich habe auch ich meine absoluten Lieblingscharaktere. Wie schon gesagt, gehört Tyrion, der Gnom, definitiv dazu, denn er hat einfach eine unglaublich prägnante Art. Er pendelt immer wieder zwischen Gut und Böse hin und her und genau das macht ihn allerdings auch aus. Manchmal hat er wirklich keine Skrupel, doch dann lässt er auch mal wieder durchblicken, dass er sein Herz eigentlich schon am rechten Fleck hat.

Auch geliebt von mir wird die Mutter der Drachen, Dany, jenseits der Meerenge. Ihren Handlungsstrang empfand ich als etwas schwach dieses Mal. Viel passiert ist da leider nicht. Und dabei hatte ich da so sehr darauf gehofft. Aber obwohl es auch bei ihr ein wenig an einer Handlung fehlt, fällt gerade bei ihr die Entwicklung ihres Charakters im Vergleich zum ersten Band extrem auf. Sie ist kein Kind mehr, sondern zwischenzeitlich erwachsen geworden. Und sie ist auch ein kleines bisschen kalt und herrschsüchtig geworden. Auch Cersei Lennister, meine ganz persönliche Lieblingsbösewichtin (Wichtin?? naja..), wird zum Nebencharakter degradiert. Dabei hat sie in den Momenten, in denen sie auftritt, wirklich richtige Glanzmomente. Sie glänzt wirklich in ihrer Bösartigkeit. Ich fand es klasse.

Minuspunkte

Und auch wenn es sich jetzt anhört, als würde ich nur meckern, muss ich leider sagen, dass auch der Verlauf dieses Mal irgendwie nicht sooo war. Mir kam es so vor, als würde die Story ein wenig in zähem Matsch feststecken. In Westeros ist der Krieg um den eisernen Stuhl ausgebrochen. Plötzlich hält sich jeder für den rechtmäßigen König, und alle versuchen sie, ihr Ziel mit blutigen Kämpfen zu erreichen. Das war für mich schon mal Problem Nummer 1, da ich es nicht so mit dem Kämpfen habe. Das ist wie mit Verfolgungsjagden – irgendwie sind sie notwendig, aber meist doch recht langweilig.

Irgendwie hatte Tyrion das Gefühl, es würde nicht viel helfen. Wenn das Feuer zu heiß wurde, konnte man den Pudding nicht dadurch vor dem Anbrennen retten, dass man eine Handvoll Rosinen in den Topf warf.

Das zweite Problem seh ich in einem Umstand, der darauf auch aufbaut. Das Land befindet sich wie gesagt im Krieg, sämtliche Charaktere beschäftigen sich mit irgendwelchen Feldzügen, mit der Überquerung von irgendwelchen Flüssen oder Kriegsräten für bevorstehende Schlachten. Die Handlung drumherum schläft ein wenig ein. Aber auch hier: kannte ich bereits aus der TV-Serie. Der Spannungsbogen blieb dadurch leider konstant flach und erlebte keine Höhen und Tiefen, aber eben vor allem keine Höhen.

Der Schreibstil

Obwohl ich zwischenzeitlich vier Bücher der Reihe gelesen habe, staune ich immer wieder über Martins Schreibstil. Es ist unglaublich, wie der Autor es mit nur wenigen Sätzen schafft, den Leser in eine ganz eigene, fremde Welt zu entführen. Stellenweise konnte ich die Welt, die dort geschaffen wurde, bildlich vor meinen Augen sehen. Eine Geschichte zu erfinden ist das eine, aber eine ganz eigene Welt… Dafür kann ich nur meinen größten Respekt zollen.

Martin, George R.R. - Das Lied von Eis und Feuer 04 - Die  Saat des goldenen Löwen 03

Auch die Charakterzeichnung passt perfekt. Die Personen haben alle ihre Ecken und Kanten. Bei einer solch großen Anzahl an unterschiedlichen Personen grenzt das schon fast an ein Wunder. Da wäre bestimmt niemand böse, wenn der eine oder andere nur grob skizziert wäre. Doch sowas findet man hier so gar nicht. Alle Details der Geschichte sind liebevoll ausgearbeitet und auch so gut dargestellt, dass sie für den Leser greifbar sind. In dieser Hinsicht ist George R.R. Martin einfach ein Gott unter den Autoren.

Mein Fazit

Für Fans der Reihe ist Die Saat des goldenen Löwen natürlich ein absolutes Muss. Für sich alleine gesehen fand ich diesen Teil der Reihe allerdings als den bisher schwächsten. Die Handlung steckt ein wenig fest. Dieser Band wird von Schlachten und Krieg, Kämpfen und Streitereien geprägt. Das muss einem einfach gefallen. Ich mag sowas leider eher weniger, mir ist eine durchdachte Handlung, die auch vorangetrieben wird, lieber. Innerhalb der Reihe also natürlich ein absolutes „Must-Have“, einzeln betrachtet leider etwas schwach.

3/5 Punkte


Die Reihe
#1: Die Herren von Winterfell | #2: Das Erbe von Winterfell | #3: Der Thron der Sieben Königreiche | #4: Die Saat des goldenen Löwen | #5: Sturm der Schwerter | #6: Die Königin der Drachen | #7: Zeit der Krähen | #8: Die dunkle Königin | #9: Der Sohn des Greifen | #10: Ein Tanz mit Drachen


Hier findet ihr weitere Meinungen zu Die Saat des goldenen Löwen
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4 Kommentare

  • Antworten Kaugummiqueen 7. April 2016 at 18:47

    Hallo Nelly,
    eine sehr ausführliche und gute Rezension hast du da geschrieben. Ich habe vor einiger Zeit alle (Hör-)Bücher ebenfalls rezensiert und habe in vielerlei Dingen die gleiche Meinung gehabt. Ich kann dich auch nur vorwarnen, wenn du jetzt schon "genervt" bist, dass Martin sich in Nebenhandlungen und Kleinigkeiten verliert, dann darfst du dich in den späteren Bänden gehörig auf was gefasst machen…. Die Bücher sind per se nicht schlecht, aber irgendwann wurden mir die 1000 neuen Figuren, die 100 neuen Nebenhandlungen und die ganzen Charaktertode und -verteilungen zu viel. Ich möchte freilich wissen, wie die Geschichte irgendwann ausgeht, aber ich denke, ich warte, bis sich Herr Martin dazu erbarmt hat, die Reihe komplett zu Ende zu schreiben (in zehn Jahren?) und dann erst werde ich mich wieder mit den Büchern befassen.
    Liebe Grüße, KQ

    • Antworten Nellys Leseecke 7. April 2016 at 19:02

      Hallöchen,
      vielen Dank für deinen Kommentar.

      An sich hab ich nichts gegen diese vielen Figuren und Nebenschauplätze. Die unzähligen Schlachten haben mich gestört, da dabei einfach die Handlung sehr auf der Strecke geblieben ist.
      Werd die Reihe auf jeden Fall weiterlesen, aber vielleicht nicht unbedingt gleich 😀 Irgendwie braucht man danach immer etwas anderes. Zumindest geht es mir so.

      Die Hörbücher habe ich noch gar nicht ausprobiert. Nachdem du das jetzt erwähnt hast, werd ich das aber auf jeden Fall mal machen.

      Alles Liebe, Nelly

    • Antworten Kaugummiqueen 7. April 2016 at 19:05

      Ja, das mit den Schlachten ist auch so eine Sache…^^

      Mich stört besonders im späteren Verlauf, dass die Handlung wirklich null voran kommt und man mehrere Bände auf der Stelle tritt. Das ist echt schade.

      Die Hörbücher sind aber wirklich gut gelesen, die kann ich dir empfehlen 🙂

      Liebe Grüße, KQ

  • Antworten Aleshanee Tawariell 8. April 2016 at 5:20

    Hey!

    Natürlich hab ich nichts dagegen, freu mich übers verlinken 🙂

    Ja, die Reihe hat es schon in sich … aber ich finde er kann das einfach. Und auch wenn manche Stellen getrost weggelassen hätten werden können, find ich diesen Umfang an Story einfach nur bewundersnwert 😀 Nicht jeder Band ist gleich gut meiner Meinung nach, aber dass die HAndlung auf der Stelle tritt, das Gefühl hatte ich zum Glück nie 😉

    Liebste Grüße, Aleshanee

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