Rezension

Frag nicht nach Sonnenschein // Sophie Kinsella

London sollte es sein! Schon immer träumt Katie Brenner davon in dieser Stadt zu leben. Nach ihrem Studium verlässt sie den Bauernhof ihres Vaters, um endlich Großstadtluft zu schnuppern. Exklusive Restaurants, schicke Abendevents und die dazu passenden Menschen – so stellt sich Katie ihre Traumstadt vor. Und tatsächlich bekommt sie einen Job in einer Marketingfirma. Doch nicht als Designerin wie erhofft, sondern lediglich als Praktikantin, weswegen sie nichts anderes tut als den lieben langen Tag Umfragebögen auszuwerten. Und die Wohnung, in der sie hausen muss (übrigens gemeinsam mit zwei ganz komischen Mitbewohnern) ist kaum größer als ein Schuhkarton. Das Leben ist gar nicht so glamourös wie Katie das gerne nach außen über ihren Instagram-Account vorgibt. Doch immerhin ist sie in London und kann dort arbeiten und leben. Auch wenn es nicht perfekt ist, so kann Katie doch kleine Rückschläge einstecken. Bis zu dem Tag, an dem sie gekündigt wird und ihr Traum zu platzen droht.

Außen hui, innen pfui

Ehrlich zu sich selbst zu sein kann manchmal schwieriger sein als es sich anhört. Solange man nur ein perfektes Bild nach außen abgibt scheint alles in Ordnung zu sein. So sieht das auch Katie. Solange sie nur bei Instagram großartige Bilder posten kann, die ein perfektes Leben vortäuschen, hält das wacklige Gebilde, das ihr Leben ist, sich noch irgendwie aufrecht. Man bekommt recht schnell ein Gefühl dafür, wie Katie denkt und tickt. Und irgendwie kann man sie verstehen. Wer will denn nicht nach Außen hin das Bild eines perfekten Lebens aufbauen?

Doch anstatt einer tatsächlichen Verbesserung, liefert das Leben für Katie einige Knüppel, die es ihr zwischen die Beine wirft. Und wieder kann man als Leser nicht anders, als Mitleid mit der jungen Frau zu haben. In der ersten Hälfte des Buches schafft Kinsella es wieder einmal, eine Protagonistin zu schaffen, wie sie einem tatsächlich über den Weg laufen könnte. Doch leider verliert sich dieses Verständnis im zweiten Teil des Buches. Wieder einmal bringt Sophie Kinsella es fertig, ihre Hauptdarstellerin so zu entwickeln, dass man als Leser nur noch kopfschütteln vor dem Buch sitzen kann. Katie wird rachsüchtig und zwar dermaßen, dass sie Aktionen bringt, bei denen einem wirklich jegliche Identifizierung abhandenkommt.

frag nicht nach sonnenschein

frag nicht nach sonnenschein

Ein Good Guy, der durch Abwesenheit glänzt

Na gut, aber in ihren Büchern laufen ja auch immer gutaussehende Traummänner rum. Und auch dieses Mal musste man nicht lange danach suchen. Alex, Katies Chef, ein attraktiver Jetsetter mit einem Haufen Geld und Lachfältchen, in die man sich natürlich verlieben muss. Nur leider hat Alex gar nicht so den großen Raum eingenommen. Im Mittelteil spielt er gar keine Rolle und wird erst wieder zum Ende hin präsent. Aber es muss ja nicht immer die klassische Love-Schmalz-Story sein.

Warum also nur eine durchschnittliche Bewertung für dieses Buch? „Frag nicht nach Sonnenschein“ muss zwei Punkte einbüßen, was allerdings nicht nur an der Geschichte lag. Zum einen zieht sich das Buch im Mittelteil wirklich hin. Es passiert wirklich wenig für diese vielen Seiten. Außerdem stürzt Katies Charakter ein wenig in den Keller. Sie war mir stellenweise wirklich unsympathisch und ihr Handeln war einfach nicht mehr nachvollziehbar. Dieser Umstand gepaart mit diesen inhaltsleeren Längen nimmt einem irgendwie den Spaß.

Zuviel Informationen auf dem Klappentext

Ein weiterer Minuspunkt hat der Verlag zu verantworten. Denn leider offenbart der Klappentext viel – zu viel. Eigentlich erfährt man fast alles! Und das ist wirklich ungünstig. Denn ein wenig entdecken möchte man als Leser dann schon noch selbst, oder? Wer sich also überraschen lassen will, sollte den Klappentext wirklich nicht lesen.

Ein Lichtblick war wiederum das Ende der Story. Endlich war Katie wieder ein Mädel, mit dem man sich identifizieren kann und auch die Spannung kommt wieder. Es kommt auch wieder Tempo rein und wenn das ganze Buch so gewesen wäre, dann wäre das wirklich gut geworden. Davon hätte ich sehr gerne mehr gelesen.

frag nicht nach sonnenschein

frag nicht nach sonnenschein

Warum muss es immer gezwungen witzig sein?

Vom Schreibstil her war Sophie Kinsella auf jeden Fall sofort wiederzuerkennen. Wobei man zwischen ihren ChickLit- und ihren Jugendromanen unterscheiden muss. „Schau mir in die Augen, Aufrey“ hat durch einen wunderschönen, einfühlsamen Schreibtil bestochen, der es einem schwer gemacht hat, das Buch auch nur aus der Hand zu legen. Wenn man sich die Schnäppchenjägerin-Romane anschaut, dann fühlt man sich mit diesem Buch direkt daran erinnert. Es wirkt immer ein wenig so, als würde hier jemand gezwungen witzig sein wollen, nur leider geht das meistens voll nach hinten los. Dafür muss man Kinsella zu Gute halten, dass der Schreibstil dafür sehr leicht lesbar ist und die Seiten dann trotz aller Kritikpunkte an einem vorbeirauschen.

Sophie Kinsella kann es wirklich besser! Mit ihrem ersten Jugendroman hat sich mich vergangenes Jahr wirklich umgehauen, aber jetzt geht es wohl wieder auf eine Talfahrt zu. Und ich verstehe es nicht! Kinsella kann schreiben, sie hat es schon bewiesen. Doch immer wenn sie versucht, ihre Protagonistin witzig und spritzig erscheinen zu lassen, geht das irgendwie schief. Denn so schafft sie es einfach nicht, so vom „Durchschnittsbuch“ abzuheben.


Frag nicht nach Sonnenschein | Sophie Kinsella
Goldmann | 2017 | 544 Seiten | Einzelband
Original: My not so Perfect Life | übersetzt von: Jörn Ingwersen
erhältlich als: Taschenbuch | eBook | Hörbuch
Weitere Meinungen zum Buch: Buntes Tintenfässchen | Liebe dein Buch


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12 Kommentare

  • Antworten Elena 24. Juni 2017 at 14:11

    Ich muss gestehen, ich habe in das Buch nur reingelesen und es dann bis auf weiteres zur Seite gelegt. Bei „Das Hochzeitsversprechen“ war ich nämlich auch schon so schwer enttäuscht, dass ich das Buch abgebrochen habe und es keine zweite Chance bekommen wird.

    Wenn du weitere Bücher von ihr lesen willst, empfehle ich dir ihre ersten Bücher als Sophie Kinsella (die als Madeleine Wickham sind auch nicht das Gelbe vom Ei).

    Viele Grüße
    Elena

    • Antworten Nelly 25. Juni 2017 at 11:32

      Huhu Elena!
      Ich hab „Das Hochzeitsversprechen“ auch gelesen, kann mich aber ehrlich gar nicht mehr erinnern, wie ich es fand, das müsste ich mal nachschauen. Aber so wirklich nachhaltig beeindruckt zu haben, scheint es mich ja nicht 😀
      Ein Buch, welches sie unter dem Namen Madeleine Wickham veröffentlicht hat, habe ich noch gar nicht auf dem Schirm gehabt. Aber gut, dass Du mich nun gewarnt hast. Werd dann wohl einen Bogen darum machen.

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Martinas Buchwelten 24. Juni 2017 at 15:18

    Hallo Nelly,
    mit den Büchern der Autorin werde ich nicht ganz warm, aber ich möchte zu einem anderen Punkt kommentieren und zwar zum Thema Klappentext. Ich finde, dass immer öfter viel zu viel im Inhaltsverzeichnis Preis gegeben wird, als gut für das Buch ist und die Bewertungen deswegen schlechter ausfallen. Das ist wirklich schade, denn das ist die alleinige Schuld des Verlages und nicht des Autors.
    LIebe Grüße
    Martina

    • Antworten Nelly 25. Juni 2017 at 13:49

      Hallo liebe Martina!
      Kinsellas Bücher mag man oder auch nicht. Das gehört dazu und man muss ja auch nicht alles gut finden.
      Was die Klappentexte angeht, da muss ich Dir leider recht geben. Dass dadurch die Bewertungen schlechter ausfallen, liegt dann leider auch in der Natur der Sache. Wenn ich vor dem Lesen bereits die Handlung kenne, warum sollte ich mich dann noch durch 400 Seiten arbeiten, auf denen nichts passiert, was ich nicht ohnehin bereits weiß?? Dass da der Autor nichts dafür kann, ist dann wirklich schade. Gerade was Klappentexte angeht, bin ich ohnehin der Meinung, dass Verlage sich hier den einen oder anderen Gedanken mehr schon machen könnten.

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Elli 24. Juni 2017 at 19:29

    Liebe Nelly,
    schade, dass dich das Buch nicht so überzeugen konnte. Ich habe die englische Variante „My not so perfect life“ gelesen und fand es einfach großartig. Es war mein erstes Buch von Kinsella und ich habe mich total in ihre Schreibe verliebt. Die ganzen Punkte, die dich gestört haben, habe ich gar nicht als störend empfunden da es für mich einfach nur eine witzige Geschichte zum Abschalten war. Bei mir kam der Humor gut an, schade dass er dich genervt hat. „Finding Audrey“ habe ich vor ein paar Wochen auch gelesen und war ebenso begeistert. Hast du die Shopaholic Reihe gelesen?
    Liebe Grüße,
    Elli

    • Antworten Nelly 25. Juni 2017 at 16:07

      Hey liebe Elli!
      Ja wirklich schade, dass mich das Buch nicht auch so begeistern konnte. Es war mir einfach zu gekünstelt. So recht warm werden wir einfach nicht immer miteinander.
      Die Shopaholic-Reihe habe ich vor einigen Jahren (bestimmt 10) mal gelesen bis Band 5 oder so. Vor einigen Monaten hab ich den ersten Teil nochmals gelesen und ihn in der Luft zerrissen. Da hatte ich eben auch das Problem mit der gezwungenen Witzigkeit. Hast Du die Bücher auch gelesen?

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Madame Lustig 26. Juni 2017 at 9:51

    Oh nein, schreib doch sowas nicht, liebste Nelly! Dieses Buch steht doch auf meiner Wunschliste ganz oben. 🙁
    Aber gut, vielleicht finde ich das Buch ja dennoch ganz toll? Hm. Auf jeden Fall wird es wohl jetzt noch ein paar Tage länger auf meiner Wunschliste verweilen und erstmal „wichtigeren“ Büchern Platz machen müssen, bevor ich es bei mir einziehen lasse.

    Fühl dich ganz lieb gedrückt.
    Maike

    • Antworten Nelly 28. Juni 2017 at 14:02

      Oh Liebes, ich wollte Dir die Lust am Buch nicht nehmen!! Das ist immer doof, der einzige Nachteil am bloggen oder?
      Aber ich hab auch viel Gutes über das Buch gehört, red doch mal mit Elli darüber, die war begeistert. Mir war es einfach zu gekünstelt… Aber vielleicht empfindest Du das wirklich anders. Würde mich interessieren, wenn Du das Buch dann gelesen hast.

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Carolina Aurélie 3. Juli 2017 at 12:52

    Ich liebe (eigentlich) die Bücher von Sophie Kinsella, zumindest die früheren. Schade, dass dieses hier nicht so wunderbar zu sein scheint. Den vorletzten Shopaholic-Roman fand ich auch schon nicht so besonders toll und war etwas genervt von den Charakteren.
    Aber vielleicht gebe ich diesem hier doch mal eine Chance.

    Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche,
    Caro

    • Antworten Nelly 4. Juli 2017 at 23:30

      Hey Caro!
      Danke für Deinen Kommentar.
      Ich hab wirklich viele gute Meinungen auch zu dem Buch gelesen, lass Dich daher nicht abhalten, es Dir zuzulegen. Wenn Du es liest, dann lass mich doch wissen, wie Du es fandest.

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Larissa 22. Juli 2017 at 13:14

    Hey Nelly,

    mir ging es ganz ähnlich beim Lesen von diesem Buch.
    Ihre anderen Bücher sind viel besser, von diesem bin ich etwas enttäuscht.
    Deine Bilder zur Rezension finde ich klasse!
    LG
    Larissa
    http://bucherliebe-hoch-zwei.blogspot.de/

    • Antworten Nelly 23. Juli 2017 at 10:58

      Huhu Larissa!
      Kinsella hat wahrhaft schon bessere Bücher geschrieben, aber auch schon schlechtere, finde ich 😀 Sowas kommt eben irgendwann mal vor, wenn man von ein und demselben Autoren viele Bücher liest, da gefällt einem wohl immer mal wieder eins weniger als andere. Nur schade, dass es das sein musste, weil die Idee hat mich auf den ersten Blick echt angesprochen. Naja, hoffen wir auf das nächste….
      Vielen Dank für Dein Lob wegen meiner Bilder, da freu ich mich sehr drüber.

      Alles Liebe, Nelly

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