Rezension

Frühlingsnächte // Debbie Macomber

Liebe Bookaholics, anhand der Bücher, die ich im Laufe der letzten Monate hier vorgestellt habe, konnte man wahrscheinlich bereits erkennen, dass ich ein Fan von Reihen bin. Früher hat das vorallem Jugendbücher betroffen, zwischenzeitlich gibt es aber auch richtig gute Thriller-Reihen und auch im Belletristik-Bereich findet sich das ein oder andere. Hierzu gehört auch die Rose-Harbor-Inn-Reihe, mit der ich vor einigen Wochen angefangen habe. Mit Frühlingsnächte geht die Reihe rund um das beschauliche Bed & Breakfast bereits in die zweite Runde.


Frühlingsnächte | Debbie Macomber
Blanvalet Verlag | 2016 | 416 Seiten | #2 der Rose-Harbor-Inn-Reihe
Original: Rose Harbor in Bloom | übersetzt von: Nina Bader
erhältlich als: TaschenbucheBook


ACHTUNG!
Hierbei handelt es sich um die Fortsetzung einer Reihe, weswegen die Rezension Spoiler enthalten kann

Der Inhalt

Jo Marie Rose hat nach einem schweren Schicksalsschlag in dem beschaulichen Küstenstädtchen Cedar Cove einen Neuanfang gewagt. Mit ihrem Bed & Breakfast, dem Rose Harbor Inn, steht sie nun vor einer neuen Herausforderung: Als Erinnerung an ihren verstorbenen Mann will sie einen weitläufigen, üppigen Rosengarten anlegen. Hilfe erhält sie dabei von Mark, einem begabten Handwerker, in dessen Gesellschaft sie sich fast schon gefährlich wohl fühlt. Doch auch ihre neuen Gäste halten Jo Marie in Atem, denn Mary und Annie tragen beide ein Geheimnis mit sich herum, dessen Grundsteine in Cedar Cove liegen … [ Quelle: Blanvalet ]

Die Geschichte

Jo Marie, die freundliche B&B-Inhaberin, die im ersten Teil nach Cedar Cove gezogen ist, um den Tod ihres Ehemannes zu verarbeiten, ist wieder zurück. Bereits im letzten Band hatte sie zwei Gäste, deren Leben sich innerhalb eines Wochenendes änderte. Und auch in Frühlingsnächte beherrbergt das Rose Harbor Inn wieder zwei ganz besondere Gäste. Da war ich anfangs wirklich skeptisch, ob man nicht einfach das gleiche Buch in etwas abgewandelter Ausführung vorgesetzt bekommt. Denn das Schema ist eigentlich das gleiche wie man es schon aus Winterglück kannte. Doch Debbie Macomber schaffte es vortrefflich, das Bekannte mit dem Neuen zu verbinden. So hatte man als Leser sofort dieses Gefühl, als würde man eben in eine Welt eintauchen, in der man schon einmal war.

Ich erinnerte mich noch gut an meine Angst, er könnte verschwinden, sobald ich die Augen öffnete. Deshalb hielt ich sie geschlossen Ich wollte diesen Moment so lange ausdehnen wie eben möglich. An diesem Abend sagte er mir, Rose Harbor werde meine Wunden heilen – und die von allen meinen Gästen.

Dagegen war es gar nicht langweilig, obwohl ich davor wirklich ein wenig Angst hatte. Denn obwohl man weiß, dass man die Geschichte zweier „fremder“ Charaktere und derjenigen von Jo folgen wird, waren die Storys an sich so unterschiedlich. Dadurch hatte die Spannung immer ein gutes Level. Jo Maries Story geht naturgemäß schon etwas tiefer und entwickelt sich in einem langsameren Tempo als die ihrer beiden Gäste. Man begleitet sie einfach über vier Bücher, während die Handlungsstränge um ihre Gäste immer in einem Buch abgeschlossen sind. Doch besonders schön fand ich, dass die beiden Charaktere, um die sich der erste Teil gedreht hat, immer noch in Frühlingsnächte Erwähnung fanden. Somit war deren Geschichte zwar ebenfalls abgeschlossen, doch sie waren nicht direkt aus der Welt. Als Leser erfährt man trotzdem, wie es mit ihnen weitergegangen ist.

Die Charaktere

Jo Marie, die das B&B betreibt, zieht sich als roter Faden durch die Reihe, steht aber nicht so recht im Mittelpunkt. Ihre Geschichte hat bei Weitem nicht das Tempo, das der Geschichte ihrer Gäste zugrunde lag. Noch immer steht ihr Verlust im Vordergrund, mit dem sie sich auch dieses Mal wieder auseinander setzen muss. Doch ihr steht ein Freund zur Seite, nämlich Marc der Handwerker. Zwar scheint zwischen den beiden (noch) nichts romatisches zu stehen und obwohl sie sich mehr streiten als dass sie miteinander auskommen, merkt man doch die tiefe Zuneigung, die sie sich entgegenbringen. Ich hatte das Gefühl, Jo Marie, von der ich schon ein recht deutliches Bild hatte, noch besser kennen gelernt zu haben. Zwischenzeitlich mag ich sie sehr. Und was war ich froh, dass mein Kritikpunkt aus Band 1, nämlich diese komische Geisterbegegnungen, in Frühlingsnächte kein Thema mehr sind.

Macomber, Debbie - Rose Harbor Inn 02 - Frühlingsnächte 01

Annie und Mary sind dagegen ganz unterschiedliche Charaktere. Besonders gefallen hat mir Mary, die toughe Businessfrau, die all ihr Leben hinter ihre Arbeit stellt und dafür sogar vor 19 Jahren ihre große Liebe George verlassen hat. Und dann wird bei ihr plötzlich Krebs diagnostiziert und sie muss aus dem Berufsleben aussteigen. Nun reist sie geschwächt und krank nach Cedar Cove, um sich einen Traum zu erfüllen und merkt gar nicht, warum sie WIRKLICH dort hinfährt.

Annie dagegen reist nicht alleine, sondern mit der ganzen Familie an, um den Goldhochzeitstag ihrer Großeltern zu feiern. Die werden aber begleitet, und zwar ausgerechnet von Oliver, in den sie in Kindheitstagen doch so sehr verliebt war und der sie dann verspottet hat. Ihre Story war wirklich schwach, muss ich leider sagen. Ihre Beweggründe und ihr Verhalten war einfach nicht nachvollziehbar und sie bleibt über die ganze Geschichte hin furchtbar blass. Ich mochte sie noch nicht einmal richtig und wenn der ganze Handlungsstrang weggeblieben wäre, wäre das auch nicht so schlimm gewesen.

Der Schreibstil

Hach, ich liebe Debbie Macombers Schreibstil. Sie erzählt abwechselnd im auktorialen Erzählstil und der Ich-Erzählersicht. Jo Marie erzählt aus der Ich-Perspektive, was dem Leser die Möglichkeit gibt, sie nicht nur oberflächlich kennenzulernen, sondern auch von ihren Gedanken und Gefühlen zu erfahren. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass gerade Jo Marie etwas mehr in den Fokus gerückt worden wäre. Für meinen Geschmack kam sie dieses Mal etwas kurz.

Dass George nicht zu sprechen war, nahm sie als Omen. Sie würde es nicht ein zweites Mal versuchen. Das Schicksal hatte entschieden.

Dagegen wird die Story bei Annie und Mary aus dritter Sicht berichtet. Doch trotzdem erfährt man als Leser von dem Innenleben der Charaktere. Doch irgendwie baut man zu ihnen nicht die gleiche Verbindung auf wie zu Jo Marie. Aber das war wohl von der Autorin auch nicht gewollt, immerhin verschwinden die Gäste nach einem Teil der Reihe wieder.

Das Ende

Während der Verlauf der Geschichte genau das richtige Tempo hatte, wurde es zum Ende hin etwas zu rasant. Da ich von dem Strang rund um Annie ohnehin nicht so begeistert war, hat es mich auch nicht gewundert, dass gerade dieses Ende mir auch am wenigsten gefallen hat. Es war so unglaublich klischeebehaftet. Plötzlich sprühen die Liebesfunken, es gibt ein Happy End und man reitet auf dem weißen Pferd gen Sonnenuntergang… Naja gut, so schlimm war es nicht, aber arg viel besser eben auch nicht. Hinsichtlich Mary bin ich allerdings schon gespannt, ob sie in Band 3 nochmals erwähnt wird. Und bei Jo Marie wurde zum Ende hin nochmal richtig Gas gegeben, sodass die Handlung im Nachfolger bestimmt spannend wird.

Mein Fazit

Debbie Macomber hat mir ihrer Reihe eine nette Lektüre für Zwischendurch geschaffen, die einen länger beschäftigt als ein Einzelband es könnte. Sie verbindet Bekanntes mit neuen Elementen und Personen, was dem Ganzen zwar etwas Aufregendes gibt und den Leser trotzdem das Gefühl gibt, dass er in eine Geschichte eintaucht, die er kennt. Ich persönlich habe mich in Cedar Cove direkt wieder wohlgefühlt und kann es eigentlich kaum erwarten, dass ich mit Sommersterne wieder an die Küste zurückkehren kann. Als klitzekleines Manko kann lediglich die wenig durchdachte Handlung rund um Annie aufgezeigt werden. Aber alles in allem wieder einmal lesenswert.

4/5 Punkte


Die Reihe
#1: Winterglück | #2: Frühlingsnächte | #3: Sommersterne | #4: Herbstleuchten


Hier findet ihr weitere Meinungen zu Frühlingsnächte
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