Rezension

Kennen wir uns nicht? // Sophie Kinsella

Stellt euch mal folgendes Szenario vor: ihr wacht morgens auf und euch fehlen die Erinnerungen der letzten drei Jahre. Für euch ist immer noch 2014. Welche wichtigen Ereignisse hättet ihr dann vergessen? Würden mir die Erinnerungen der letzten drei Jahre fehlen, dann würde ich noch immer davon ausgehen, dass ich noch in Bayern wohne. Ich wäre außerdem ziemlich überrascht, dass meine beste Freundin Mama geworden ist. Und ich hätte noch nicht einmal mein erstes Examen in der Tasche.

Businessfrau oder Freigeist?

Lexi Smart ist genau das passiert. Da ist sie abends mit ihren drei besten Freundinnnen feiern, schlägt sich den Kopf an und wacht drei Jahre später auf. Um genauer zu sein: 2004 fällt Lexi, einen Abend vor der Beerdigung ihres Vaters, eine Treppe hinunter, stößt sich den Kopf und wird bewusstlos. Drei Jahre später, 2007, stößt sie sich genau diesen Kopf wieder, als sie mit ihrem Cabrio verunglückt. Als sie im Krankenhaus wieder zu sich kommt, fehlen ihr sämtliche Erinnerungen aus dem Zeitraum zwischen den beiden Verletzungen. Für Lexi ist es immer noch 2004.

Sophie Kinsella gilt als die Königin der Chick-Lit-Autorinnen. Im Mittelpunkt ihrer Geschichten stehen (fast) immer ganz normale Frauen, mit denen man sich identifizieren können sollte. Keine schreibt wie Kinsella und ich würde ihre Bücher unter tausend anderen wiedererkennen. Nachdem mich der Auftaktband zu ihrer Shopaholic-Reihe erst vor kurzem sehr enttäuscht hat, habe ich nun wieder zu einem ihrer Stand-Alones gegriffen.

kennen wir uns nicht

kennen wir uns nicht

Eine kurzweilige Geschichte, die mit Witz und Romantik gewürzt wird

Doch als wäre die Sache für Lexi nicht schon schlimm genug, scheint es auch so, als hätte sich Lexi selbst in den fehlenden drei Jahren sehr verändert. Wo sie früher das etwas chaotische, antriebslose Mädchen stand, für das ihre Freundinnen das Wichtigste im Leben darstellen, da findet sich plötzlich nur noch eine karrieregeile „Bossbitch aus der Hölle“ (Originalzitat aus dem Buch). Lexi hat scheinbar ihrem ausgefallenen und farbenfrohen Klamottenstil abgeschworen und trägt nur noch beigefarbene Kostüme. Doch der größte Schreck durchzuckt sie, als sie feststellen muss, dass sie zwischenzeitlich verheiratet ist.

Eric ist so gut aussehend, dass er locker als Unterwäschemodell arbeiten könnte, steinreich und scheinbar auch tierisch in seine Ehefrau verliebt. Doch für Lexi ist er ein Fremder. Wie kann man mit jemanden zusammen leben, den man eigentlich gar nicht kennt, der sich dann aber zu einem ins Bett legen möchte?

Die Amnesie tritt immer mehr in den Hintergrund

Sophie Kinsellas Stand-Alone mochte ich wirklich sehr gerne. Die Geschichte ist gewohnt spritzig, lebhaft und kurzweilig. Und vor allem bleibt das zentrale Thema durch das ganze Buch hinweg präsent. Ich hatte ein wenig die Befürchtung, dass die Erinnerungslücken zu Beginn der Geschichte sehr einnehmend ist und sich dann im Sand verläuft. Aber dem war Gott sei Dank nicht so. Aber Lexis Amnesie ist immer wieder, mal mehr mal weniger, Thema.

Nicht immer mag ich Kinsellas Protagonistinnen, aber Lexi war super. Theoretisch lernt man ja zwei unterschiedliche Lexis kennen in diesem Buch. Nach außen scheint es so, als wäre sie die toughe Geschäftsfrau, die für ihren Erfolg auch über Leichen geht. Doch auf den ersten paar Seiten, in denen man Lexi im Jahr 2004 erlebt, bekommt man eine ganz andere Person beschrieben. Die flippige und etwas chaotische Lexi blitzt im Anschluss immer wieder durch und es war richtig spannend, den Widerstreit zwischen dem, was ist und dem, was sein sollte kam prägnant zum Ausdruck.

kennen wir uns nicht

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Romantisch, aber nicht kitschig

Und wenn man ein Kinsella-Buch in die Hand nimmt, dann bekommt man garantiert auch immer eine schöne Portion Liebe mitgeliefert. Und darauf kann man sich auch dieses Mal verlassen. Schön finde ich dabei immer, dass Kinsella es damit eigentlich nie übertreibt. Auch im vorliegenden Buch wurde die perfekte Mischung gefunden. Es wird ein kleines bisschen romantisch, aber nie kitschig.

Mit Kennen wir uns nicht? zeigt Sophie Kinsella mal wieder, warum sie den Platz im Chick-Lit-Universum hat, den sie eben hat. Die Geschichte ist auch dieses Mal wieder toll durchdacht, fußt auf einer schönen Idee und bleibt über die komplette Länge kurzweilig. Mit Lexi schafft Kinsella wieder eine Protagonistin, mit der man sich auseinandersetzen und identifizieren kann. Gewürzt wird das Ganze noch mit einer ordentlichen Prise Witz und ein wenig Romantik und… tada… herauskommt ein schönes Buch für zwischendurch.


Kennen wir uns nicht? | Sophie Kinsella
Goldmann | 2008 | 416 Seiten | Einzelband
Original: Remember me | übersetzt von: Jörn Ingwersen
erhältlich als: Taschenbuch | eBook
Weitere Meinungen zum Buch: Büchersüchtig | noch mehr bücher


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2 Kommentare

  • Antworten Neri von Leselaunen 3. Oktober 2017 at 0:23

    Das könnte was für mich sein. Witzig-leichte Lektüren sind manchmal nicht verkehrt und danach klingt es. Sophie Kinsella ist bisher eine der wenigen Autoren, bei welcher mir die Bücher zusagen, von denen ich bisher aber noch nichts gelesen habe. Vielleicht ändert sich das bald.

    Neri, Leselaunen

    • Antworten Nelly 8. Oktober 2017 at 23:18

      Oh wenn Du noch nichts von ihr gelesen hast, dann musst Du das unbedingt nachholen. Allerdings würde ich Dir ihre Standalones empfehlen und weniger die Shopaholic-Reihe. Die ist nämlich zum Abgewöhnen 😀

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