Rezension

Atemlos: Von des Todes zarter Hand // Michael E. Vieten

Die Geschichte von Anna Nowak und Anselm Jünger geht weiter. Hauptkommissar Matheo Anderssons Vorgesetzte im Landeskriminalamt Mainz hatten sich unmissverständlich ausgedrückt. Sie wollten auf keinen Fall eine „Bonnie & Clyde-Geschichte“ daraus werden lassen. Deswegen schickten sie ihren besten Mann. Doch das flüchtende Verbrecherpärchen gerät völlig außer Kontrolle. Anna Nowak und Anselm Jünger ziehen auf ihrer wilden Flucht eine blutige Spur hinter sich her. Auch vor Geiselnahme schrecken sie nicht zurück. Dabei fällt ihnen Matheo Anderssons junge und unerfahrene Kollegin in die Hände. Ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Ein Wiedersehen mit dem Killer Anselm

Obwohl Anselm nach seinem Zusammentreffen mit Horst Krieger penibel darauf geachtet hatte, keine Spuren zu hinterlassen, die die Polizei auf ihn aufmerkmsam machen können, findet Kriegers Kollege Rottmann trotzdem die Verbindung zu Anselm. Denn Horst Krieger hatte in seinen Unterlagen die Verbindung zwischen Anselm und den vier Todesopfers genaustens aufgeschrieben. Daher fährt Rottmann kurzerhand zu der Wohnung, in der der vermeintliche Killer zwischenzeitlich mit seiner Freundin Anna wohnt. Doch auch Rottmann weiß: gegen Anselm gibt es keinerlei handfeste Beweise.

Doch während der harmlosen Befragung verliert Anna die Nerven und gibt auf den Polizeibeamten einen Schuss ab, der daraufhin blutend auf dem Boden zusammenbricht. Für das Pärchen ist klar: wenn sie nicht die nächsten Jahre im Gefängnis verbringen wollen, getrennt voneinander, dann müssen sie fliehen. Also verlassen sie kopflos ihre Wohnung, schnappen sich Anselms alten Corsa und fassen den Plan, sich nach Polen zu Annas Großmutter abzusetzen. Doch die Polizei Trier findet bereits kurz darauf den schwer verletzten Rottmann und erhalten von nun an Unterstützung von Matheo Andersson vom LKA. Langsamer als erhofft kommt der Verbrechenpärchen voran und die Verfolger sind ihn dicht auf den Fersen.

Atemlos auf dem Weg nach Polen

Den ersten Teil der Atemlos-Reihe hatte ich ja erst vor kurzem gelesen. Die Handlung des zweiten Teils fängt bereits wenige Stunden nach dem Ende des ersten an. Nachdem es am Schluss von „Beim Sterben ist jeder allein“ zum Show-Down zwischen Anselm und Horst Krieger kam, welchen letzterer nicht überlebt hat, finden dessen Kollegen die Leiche im Treppenhaus. Doch obwohl die Handlungen nahtlos aneinander anknüpfen, fiel mir der Einstieg in das Buch unglaublich schwer. Ich kann noch nicht mal genau sagen, an was es lag, aber irgendwie konnte mich das Buch anfangs so gar nicht abholen.

Ich hab das Buch nach wenigen Seiten immer wieder auf die Seite gelegt. Dabei beginnt das Buch nicht mal langweilig. Der Leser steigt sofort wieder in die Handlung ein. Vielleicht hatte ich solche Schwierigkeiten, weil die Charaktere einfach so schnell wechseln. Rottmann wurde zwar, soweit ich weiß, im ersten Teil kurz erwähnt, hatte selbst aber keinen Auftritt. Doch bevor der Leser sich an ihn gewöhnt hat, wird er auch schon über den Haufen geschossen und es gibt direkt einen Wechsel im Ermittler-Team.

Eine Polizeiteam, das sich sehen lassen kann

Im Allgemeinen war ich von den Charakteren durchgehen überrascht. Das Ermittler-Team mit Matheo Andersson und Christine Bernard fand ich ganz gut ausgeklügelt. Der Kommissar vom LKA ist von einem ganz eigenen Schlag mit seinen Zwangsneurosen und seiner Art, mit Mitmenschen zu interagieren. Dadurch konnte ich ihn mir wunderbar vorstellen. Auch die kleine Romanze mit der Polizei-Ärztin hat mir gut gefallen, da sie wirklich nur ganz leicht angekratzt wurde und damit niemals die eigentliche Handlung überlagert hat. Trotzdem war sie wirklich niedlich.

Auch den Neuling Christine mochte ich wirklich gerne. Sie ist wegen ihres Alters noch relativ frisch bei der Polizei und der Fall „Jünger-Nowak“ ist für sie, eine gute Gelegenheit, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Dabei wirkt sie aber niemals karrieregeil, sondern erledigt auch Botengänge mit Krips und Köpfchen. Beide waren mir von Anfang an wirklich sympathisch.

Nebencharaktere top – Protagonisten so lala

Schwierigkeiten hatte ich allerdings mit den Protagonisten Anselm und Anna. Beide wiesen zwar die Tiefe auf, die ich erwartet hatte, aber irgendwie kam ich mir vor, als wären deren Charaktere vertauscht worden. Anselm lernte ich im ersten Teil als einen Menschen kennen, der bei der kleinsten Kleinigkeit seine Mitmenschen aus dem Weg räumt. Dabei hatte er immer genau durchgeplant, wie er vorgehen will und hatte immer einen Plan. Außerdem zeigte er bei seinen Tötungen wenige bis gar keine Gefühle. Doch im zweiten Teil der Reihe kam er mir irgendwie vor, als würde er neben sich stehen.

Nicht Anna war diejenige, die etwas durchdreht nach einem Schusswaffengebrauch oder die immer wieder Zweifel an der Flucht hat…. Nein, Anselm war der labile Part dieses Verbrechenpärchen. Eigentlich hätte ich es andersherum erwartet. Anna dagegen lernte ich erst als nette, kleine Frau kennen, die zwar in ihrem Leben und durch ihren Job schon einiges erlebt hatte, aber trotzdem irgendwie eine starke Schulter braucht. Doch sie mutiert auf einmal zur Gangsterbraut, da staunte ich nicht schlecht. Zwar war die Ausgestaltung dieser beiden durchaus befriedigend, allerdings hätte mir die klassische „Aufgabenverteilung“ besser gefallen.

Eine Steigerung auf Seiten des Autoren

Der Schreibstil von Michael E. Vieten hat sich für meinen Geschmack stark verbessert. Derjenige aus Band 1 war mir etwas zu speziell und stieß nicht bei jedermann auf Gefallen. Dieses Mal war der Schreibstil etwas mehr „Main Stream“, wobei meiner Meinung nach Main Stream nichts schlechtes ist. Die abgehackten Sätze, die ich noch in der letzten Rezension bemängelt hatte, tauchen so gut wie gar nicht mehr auf. Trotzdem war der Schreibstil weiterhin leicht und flüssig zu lesen. Dabei sollte der Autor bleiben.

Nicht ganz so gut gefallen hat mir der Verlauf der Story. Allerdings liegt das wahrscheinlich an einer meinen persönlichen Vorlieben. Ich persönlich lese unglaublich gerne Krimis und zwar aufgrund der Geheimnisse, die dort aufgedeckt werden und der Fäden, die nach und nach miteinander verknüpft werden. Zwar weisen die meisten Krimis am Schluss irgendeine Verfolgungsjagd auf oder Szenen, in denen der Täter hinter dem Opfer her ist bzw. die Polizei dem Täter an den Fersen klebt. Das sind aber für mich persönlich nicht die Szenen, warum ich diese Bücher so gerne mag. „Von des Todes zarter Hand“ ist aber eben genau das: eine lange Verfolgungsjagd. Das an sich hat mich noch nicht gestört, aber mir hat das Geheimnis gefehlt, der Überraschungseffekt. Durch den Umstand, dass Andersson dem Verbrechenpärchen immer dicht auf den Fersen ist, wurde es zwar nie langweilig, aber ich hätte mir irgendwo einen kleinen „Oho-Effekt“ gewünscht.

„Von des Todes zarter Hand“ ist eine Fortsetzung der Reihe, in der man die Entwicklung des Autors sehr schön beobachten kann. Die Handlungen der Charaktere waren kaum voraussehbar, womit der Spannungsbogen immer weiter gespannt wurde. Nach kleinen Startschwierigkeiten habe ich das Buch in einem Rutsch weggelesen, was auch dem zwischenzeitlich angenehmeren Schreibstil von Michael E. Vieten zu verdanken ist. Dafür fehlte mir in Band 2 ein wenig das Geheimnis. Trotzdem handelt es sich um eine solide Geschichte.


Von des Todes zarter Hand | Michael E. Vieten
Selfpublishing | 2014 | 244 Seiten | #2 der Atemlos-Reihe
erhältlich als: Taschenbuch | eBook
Weitere Meinungen zum Buch: Uwes Leselounge | Bienes Bücherinsel

Hier klicken für die Reihenfolge der Atemlos-Reihe
von des todes zarter hand Teil #1
Beim Sterben ist jeder allein
von des todes zarter hand Teil #2
Von des Todes zarter Hand


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