Rezension

Vorwärts küssen rückwärts lieben // Sybille Hein

Pia glaubt an die große Liebe, an Prinzen und Traummänner. Dabei hat sie allerdings, zumindest wenn es nach Meinung ihres besten Freundes Eddie geht, ein ganz schlechtes Händchen. Der würde Pia lieber an der Seite eines bodenständigen, ganz „normalen“ Mannes sehen. Doch die scheinen Pia zu langweilig zu sein. Eines Tages lernt sie ausgerechnet im Supermarkt einen Mann kennen – ihren Pizzaprinzen. Sie glaubt sofort an Schicksal und setzt alles daran, den Mann, der sie dermaßen beeindruckt hat, wiederzusehen. Und tatsächlich schwebt die junge Kinderbuchzeichnerin schnell mit August (dem Pizzaprinzen) auf Wolke 7. Doch Eddie warnt sie: je höher die Wolke hängt, desto tiefer kann der Fall sein.

Stark angefangen – stark nachgelassen

Die erste Begeisterung für dieses Buch hat bei mir schon die Gestaltung ausgelöst. Gemeinsam mit passenden Bleistiften kam das Buch bei mir an und es schaut einfach so zauberhaft aus. Doch auf den Inhalt kommt es eben an. Und der war eine Berg- und Talfahrt. Als Leser lernt man Pia, ihr Leben und ihr Umfeld langsam aber sicher kennen und auch lieben. Die junge Frau besticht durch ihre kleinen Träumereien, wobei sie trotzdem bodenständig bleibt. Dies verleiht ihr einen gewissen Zauber, dem man sich nur schlecht enziehen kann. Dass sie trotz der ein oder anderen Enttäuschung noch an die ganz große Liebe glaubt, ist ein weiterer Pluspunkt, den man einfach an ihr lieben muss.

Noch toller ist da nur noch Eddie. Pia bester schwuler Freund ist ein wahres Original. Als Teenager musste er nicht nur damit kämpfen, als Junge auf Jungs zu stehen. Seine Mum hat ihn auch noch über Jahre schön gemästet, daher war er wohl mehr breit als hoch. Ein Jahr in New York war nötig, um aus dem etwas schrägen Teeny einen stylischen Trendsetter zu machen. Nun steht er mit beiden Beinen im Leben und hat einen großen Wunsch: gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Charlie Vater zu werden. Da geht einem ganz automatisch das Herz auf.

vorwärts küssen rückwärts lieben

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Natürlich bekommen sie sich…

Der Story an sich beginnt sehr vielversprechend. Wer auf Liebesgeschichten steht, der hat zu Beginn wirklich viel Freude. Pia und der Pizzaprinz bekommen sich zunächst einmal… Dass es dabei nicht bleiben kann, ist einem schnell klar. Sonst wäre das Buch ja auch nach 150 Seiten auch beendet. August scheint auf den ersten Blick eine wirklich gute Partie zu sein. Er hat Geld, eine schöne Wohnung, keine geheimen Kinder oder eine lästige Exfrau. Doch irgendwas ist im Busch. Denn schon nach kurzer Zeit hat August einen festen Platz in Pias Leben.

Nur leider scheint in Augusts Leben kein Platz für Pia zu sein. Hat er denn keine Freunde, die er seiner neuen Freundin gern vorstellen würde? Und was ist mit seiner Familie? Natürlich muss da etwas faul sein.

Plötzlich Fee?

Anfangs kann die Geschichte wirklich unterhalten. Doch dann schläft sie etwas ein. Die Handlung beginnt, sich hinzuziehen und plötzlich ertappt man sich dabei, dass man jeden zweiten Satz nur noch überfliegt. Nach einer längeren „Trockenzeit“ fängt sich das Buch dann offensichtlich wieder. Denkt man… Gerade als die Geschichte scheinbar die Kurve bekommt, fängt der zweite Teil „Rückwärts lieben“ an (Teil 1 ist übertitelt mit „Vorwärts küssen“). In diesem zweiten Teil wird es dann irgendwie…. komisch wäre wahrscheinlich das passende Wort. Ob das gut oder schlecht ist, lässt sich ebenfalls gar nicht so einfach sagen. Denn aufgrund der Gestaltung und des Klappentextes rechnete man mit diesem Verlauf einfach nicht. Solange es realisitisch geblieben wäre, auch gar kein Thema. Aber als dann Feen auftauchen, blieb einem nur ein Kopfschütteln.

Versteht mich nicht falsch. Das hätte wirklich gut werden können. Und generell hab ich auch nichts gegen ein bisschen Übernatürliches und Träumerei. Und wenn man ein Fantasybuch aufschlägt, dann weiß man auch, worauf man sich einlässt. Und irgendwie hat man ja eine gewissen Einstellung zu einem Buch. Während eines Liebesromans rechnet man nicht unbedingt mit dem Fantasy-Einschlag. Wenn einen der dann so hinterrücks überrascht, tut man sich schwer, sich darauf einzulassen.

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Das Ende – ein Schlag ins Gesicht

Also hoffen auf das Ende. Vielleicht geht das nochmal richtig ans Herz? Leider wirkte das sehr gewollt. Die Autorin wollte mit ihrer Idee irgendwo hin. Hätte sie diese „Auflösung“ allerdings schon im Vorfeld eingeläutet, hätten beim Leser alle Glocken geklingelt. Da wäre gleich klar gewesen, wie es enden soll. Also hat Sybille Hein sich für einen anderen Weg entschieden, was an sich sehr bewundernswert ist. Nur leider war der für den Leser wie ein Schlag ins Gesicht, den man nicht kommen gesehen hat. Es wirkte sehr konstruiert und wie sagt man so schön: der letzte Eindruck bleibt! Und man fragt sich wirklich, wo das denn plötzlich her kam…

Wenn man dieses Buch als Kurve darstellen würde, dann würde diese weit oben anfangen und dann kontinuierlich abfallen. Den zweiten Teil hätte ich tatsächlich wirklich nicht gebraucht. Auf der Haben-Seite stehen aber definitiv die liebevoll ausgearbeiteten Nebencharaktere, die man einfach ins Herz schließen muss. Wer eine herzzerreißende Liebesgeschichte sucht, der wird hiervon einfach enttäuscht sein.


Vorwärts küssen rückwärts lieben | Sybille Hein
Blanvalet | 2017 | 448 Seiten | Einzelband
erhältlich als: Paperback | eBook
Weitere Meinungen zum Buch: Books – The Essence of Life | Märchen und Pralinen


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8 Kommentare

  • Antworten Fraencis Daencis 15. September 2017 at 12:15

    Hallo Liebes,
    das klingt ja wirklich nach einer Berg- und Talfahrt. Schade, dass der Rest des Buches nicht mit dem starken Anfang mithalten konnte!
    Liebe Grüße,
    Fraencis

    • Antworten Nelly 17. September 2017 at 0:30

      Ja das war wirklich eine richtige Berg- und Talfahrt. Wobei wenn ich so recht darüber nachdenke, dann war es vor allem eine Fahrt immer weiter aufs Tal zu. Schade, aber kommt leider ja immer wieder mal vor.

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Neri von Leselaunen 16. September 2017 at 15:42

    Schön, dass Du das Buch rezensiert hast. Ich habe es auf gelesen und meine Rezension kommt demnächst. Mir ging es ganz ähnlich beim Lesen.

    Neri, Leselaunen

    • Antworten Nelly 17. September 2017 at 11:13

      Ah so doof wie sich das nun anhört: das freut mich jetzt wirklich. Ich hab bisher eigentlich nur positive Rezensionen gelesen und hab mir nun schon Gedanken gemacht, ob ich da irgendwas überlesen habe. Bin sehr gespannt auf Deine Rezension.

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Sabrina 18. September 2017 at 22:02

    Hallo!
    Das ist ja richtig fies. Schöne Liebesgeschichte und dann Bamm Fantasy. Ich kann Fantasy gar nichts abgewinnen und hätte das Buch vermutlich schreiend von mir gestoßen. Danke für die Warnung!
    Liebe Grüße
    Sabrina

    • Antworten Nelly 20. September 2017 at 21:42

      Hey liebe Sabrina!
      So richtige Fantasy war es eigentlich nicht, aber wenn die Protagonistin plötzlich mit einer Fee plaudert… ach, ich weiß nicht. Das hat einfach nicht gepasst. Weiß nicht, ob ich das Buch gelesen hätte, wenn ich das gewusst hätte.

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Fiorella Caravagh 25. September 2017 at 14:54

    Hey Nelly,
    das hast du ganz treffend geschrieben. Eine wirklich tolle Rezension!
    Genau diesen Feenteil mochte ich auch nicht- das war wirklich eine komische Wendung.
    Liebe Grüße,
    Fiorella

    • Antworten Nelly 26. September 2017 at 0:18

      Vielen Dank für Deine lieben Worte, Fiorella! Und ich bin wirklich erleichtert, dass es nicht nur mir so ging mit der Feen-Geschichte. Das hätte es wirklich nicht gebraucht. Und es hat dem Buch leider auch keinen Mehrwert gegeben. Sehr schade…

      Alles Liebe, Nelly

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