Buchgeplapper

Ich bin ein böser Buchblogger, denn ich empfehle, was ich will!!

So Freunde, jetzt mal Butter bei die Fische. Ein Buch spaltet die Bloggerwelt in Pro und Contra. Und man könnte fast meinen auch in Gut und Böse. Jeder redet über Paper Princess von Erin Watt (und natürlich die Nachfolgebände). Eine Geschichte, bei der ich ehrlich gesagt nicht einmal wirklich weiß, um was es geht, da einfach nicht mein Genre. Klar wurde auch ich vom anfänglichen Hype etwas angesteckt, denn irgendwie wollte ich schon wissen, ob dieses Buch den Hype verdient oder nicht. Zwischenzeitlich ist die Frage aber eine ganz andere…

Der Ausgangspunkt der ganzen Diskussion ist, dass Ella (die Protagonistin im Buch) geschlagen und erniedrigt wird (Nachtrag: zwischenzeitlich wurde mir berichtet, dass Ella selbst gar nicht geschlagen wurde, aber davon bin ich ausgegangen). Nun ist dieses Buch doch tatsächlich auch positiv bewertet worden, zumeist mit dem Argument, dass die Geschichte einen eben fesselt und den Leser gut unterhalten kann. Das stößt bei einigen Bloggern und Lesern auf Unverständnis. Wie kann man ein solches Buch gut finden, wenn Gewalt verherrlicht und den heutigen Jugendlichen vorgegaukelt wird, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn eine Frau von ihrem Mann erniedrigt und geschlagen wird. Hier soll der Autor in die Verantwortung genommen werden.

Thematisiert oder romantisiert?

Da stellte sich mir die Frage: dürfen problematische Themen nun nicht mehr Gegenstand von Romanen sein? Und wenn ich schnell eine Antwort auf eine Frage will, dann stelle ich sie auf Twitter. Und tatsächlich habe ich zahlreiche Antworten erhalten.

Zunächst wäre da der Punkt, dass die Themen nicht thematisiert, sondern romantisiert werden. Der Autor schreibt seine Bücher mit einer gewissen Haltung und formt mit seinem Werk unser Gesellschaftsbild. Der Autor müsse mit seinem Buch auch Verantwortung übernehmen. Bücher wie Paper Princess sollen Jugendliche ansprechen, vermitteln dabei aber falsche Werte.

böser blogger

Nun, ich sehe das anders! Zum einen handelt es sich bei diesem Buch und tausend vergleichbaren nicht um die wertvollste Literatur unter der Sonne. Darüber muss wohl nicht diskutiert werden. Die Story ist wahrscheinlich etwas seicht und platt. Und daher glaube ich auch nicht daran, dass Erin Watt oder jeder andere Autor dieses Genre am Schreibtisch saß und sich überlegt hat, welche Botschaft sein Werk übermitteln soll. Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Ich glaube, dass diese Autoren eine spannende Geschichte schreiben wollen, die sich gut verkauft. Und Fakt ist nun einmal auch (und man sieht es an zahlreichen Bücher, Filmen und Serien): Sex verkauft sich und Gewalt meistens auch.

Bedarf es einer Altersbeschränkung für Bücher?

Meiner Meinung nach sollte jeder Autor schreiben dürfen, was er möchte. Und für jedes Buch gibt es den passenden Abnehmer, soll heißen: jemand, der das Buch mag. Wollen wir zukünftig nur noch flauschig-rosafarbene Storys ohne Ecken und Kanten und mit einem romantischen Happy End lesen, um nur ja nirgends auf Gewalt und Sex zu stoßen? Und wenn diese Themen doch mal Raum finden, dürfen die weiblichen Charaktere nur noch eingefleischte Feministinnen sein, die beim Sex immer oben sitzen, damit der Mann nur ja nie auf sie herabblicken muss?? Sorry, aber wie langweilig wäre das denn?

So nun wird aber vorgebracht, dass eben Jugendliche durch diese Darstellung beeinflusst werden und vielleicht denken, dass schlagen und erniedrigen vollkommen okay sei und dass sich die Frau dem Mann schön zu unterwerfen habe. Ähm ja…. Also zum einen bin ich der Ansicht, dass man auch im Alter von 13 oder 14 sehr wohl erkennen kann, dass man da keinen Ratgeber in Händen hält, sondern einen fiktiven Roman. Ich habe mit 13 meine Liebe zu Thrillern entdeckt, als ich Die Chirurgin gelesen habe. Wer das Buch kennt, der weiß: da tropfen Blut und Gedärme quasi aus den Seiten raus. Ja und deshalb wusste ich trotzdem, dass man anderen Menschen kein Leid zufügt. Und ich glaube auch nicht, dass Tess Gerritsen Mord für gut hält. Andernfalls mache ich bei der nächsten Buchmesse einen riesigen Bogen um Sebastian Fitzek.

Ist der Autor für die Gedanken des Lesers verantwortlich?

Zum anderen kann es wohl kaum in der Verantwortung eines Autoren liegen, welches Gedankengut im Kopf eines Jugendlichen gesät wird. Wisst ihr, warum ich nach meinem ersten Thriller nicht direkt mit dem Messer unter Leute gegangen bin? Weil ich zuhause anständig erzogen wurde und bereits damals wusste, dass Mord böööse ist. Und ich wusste sogar, dass ein Mann seine Frau nicht zu schlagen hat. Unglaublich, oder? Wenn ein jugendlicher Leser nach dem Lesen eines solchen Buches denkt, ein solches Verhalten sei normal, dann ist da vorneweg schon einiges schief gegangen.

Ebenfalls problematisch sehe ich den Vorschlag an, den Verlag für ein solches Buch in die Verantwortung zu ziehen. Zum einen will der vor allem eines: Geld machen. Mein Dozent im Repetitorium für öffentliches Recht sagt immer: money makes the world go round! Und recht hat er. Gerade bei einem solchen Buch, das im Internet wild diskutiert wird und bei dem vielleicht sogar Leser zugreifen, die die Geschichte sonst nicht gelesen hätte, aber gerne wissen wollen, woher der ganze Aufstand kommt, leckt sich der Verlag doch die Finger. Und schließlich weiß jeder: auch schlechte Werbung ist Werbung.

Paper Princess – FSK 18?

Als Lösungsvorschlag wurde nun vorgebracht, solche Bücher eventuell mit einer Altersbeschränkung zu versehen. Aber wollen wir den Zugang zu Büchern tatsächlich beschränken und erschweren? Immer wieder gibt es Umfragen und „Studien“, die belegen, dass wir Deutschen und vor allem die Jugendlichen immer weniger lesen (beispielsweise HIER und HIER). Wollen wir da tatsächlich noch anfangen, Vorschriften zu machen, wer was lesen darf? Also ich weiß nicht…

böser blogger

Das alles wäre nun alles gar kein Problem. Die einen mögen ein Buch, die anderen nicht. Die einen finden einen Plot problematisch, die anderen vielleicht auch, nehmen ihn aber als das, was er ist: eine Romanidee. Kann ja jeder seine Meinung haben. Doch diejenigen, die dort seit Tagen auf Twitter ihren Standpunkt verteidigen, gehen noch einen Schritt weiter. Da heißt es doch plötzlich, dass Bücher nicht nur zur Unterhaltung da sein können. Halllooo? Darf ich noch selbst entscheiden, aus welchen Gründen ich lese? Wenn ich mich gerne berieseln lasse, dann lasst mich doch. Ich habe Jura studiert, da liest man ziemlich viel. Und zwar nur Dinge, bei denen ich mein Hirn anstrengen und mitdenken muss. Wenn ich dann in meiner Freizeit, zur ENTSPANNUNG, etwas lese, was mich einfach nur unterhält, dann ist das völlig legitim.

Meine Verantwortung als Buchblogger?

Kommen wir zu meiner Verantwortung als Buchblogger. Ich kann ja nie wissen, wer da genau liest, was ich hier schreibe. und wenn alles gut läuft, dann geht tatsächlich jemand los und kauft ein Buch, weil ich es für gut empfunden habe. Und tatsächlich habe ich in meinen fast drei Jahren in der Bloggerwelt auch Bücher wie Shades of Grey, After Passion oder Twilight rezensiert (ja wenn ihr mal genau überlegt, war Edward auch nichts anderes als ein Macho, der für Bella immer schön mitentschieden hat). Aber wer mal schaut, was ich so lese, der weiß, dass diese Bücher wahrlich nicht mal die schlimmsten sind, die es bei mir zu finden gibt. Ich liebe blutrünstige Thriller. Deshalb bewerbe ich hier noch lange nicht Mord und Totschlag. Lesen entbindet noch lange nicht von selbständigen Denken. Und wenn ich mir überlege, an welchen Scheiß Jugendliche im Internet so ran kommen, dann ist meine Leseecke mit den paar Buchempfehlungen wahrlich ein kleines Licht am Horinzont.

Also nochmal zusammengefasst: ich bin dagegen, dass Männer ihre Frauen schlagen (ich bin übrigens auch dagegen, dass Frauen ihre Männer schlagen, nur so by the way) und Erniedrigung beim Sex ist eine Sache, die niemals gegen den Willen eines Beteiligten geschehen darf. Und ich stehe auch nicht auf Geschichten, in denen es um Dinge wie diese geht (allerdings ist es auch nicht mein Genre). Aber wir leben in einem Land mit einer wunderbaren Verfassung, wonach jeder erst mal tun darf, was er möchte. Soll heißen: jeder Autor und auch jeder Blogger darf schreiben, lesen und empfehlen wie er lustig ist. Und wenn De ein Buch scheiße findest, dann sag das auch so. Kritik ist immer schön und gut und jeder darf seine Meinung haben. Sehr schade ist allerdings, wenn Leser und Blogger aufgrund ihres Geschmacks oder dem, was sie schreiben als verantwortungslos, dumm oder als nicht anständig bezeichnet werden. Man sollte schon zwischen Kritik am Buch und Kritik am Leser unterscheiden können. Denn irgendwie ist es schade, wenn sich Buchblogger untereinander wegen eines Buches zerfleischen. Im Grunde verbindet uns doch immer noch die Liebe zum Lesen… jeder auf seine Art eben…

Welche Ansicht vertrittst Du denn zu diesem Thema?



Nachtrag vom 01.Mai:
Ihr Lieben, eigentlich wollte ich die Kommentare zum Post heute beantworten. Heute morgen habe ich allerdings bei Twitter wieder viel mit diskutiert und momentan bin ich des Themas wirklich müde. Die Reaktionen auf meinem Post waren überwältigend.
Ich möchte nochmals zur Klarstellung folgendes sagen: ich bin durchaus für kritisches Lesen und gerne auch dafür, dass problematische Themen in Rezensionen und sozialen Netzwerken diskutiert und aufgezeigt werden. Natürlich will auch ich nicht, dass Jugendliche den Eindruck gewinnen, dass Gewalt und Erniedrigung zu einer gelungenen Beziehung dazugehören. Ich bin eben nur nicht der Meinung, dass hier primär Autoren, Verlage und Blogger in die Verantwortung genommen werden. Kinder müssen die grundlegenden Werte vom Elternhaus vermittelt bekommen (und ja, ich weiß, dass es Kinder gibt, die eben ohne Eltern und auch ohne Erziehung aufwachsen, aber jeder Einzelfall kann nie abgedeckt werden). Respekt und Selbstvertrauen sollten früh vermittelt werden und nicht erst mit 14, wenn das Kind den ersten YA-Roman mit nach Hause bringt. Und wenn dies nicht gelingt, kann die Verantwortung noch lange nicht auf andere „Instanzen“ angewälzt werden.
Es handelt sich hier um MEINE ganz eigene Meinung, der ihr nicht zustimmen und die ihr auch nicht gutheißen müsst.
Ich werde die Kommentare die Tage noch beantworten, aber bitte seht es mir nach, dass ich ein oder zwei Tage Luft holen muss.

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28 Kommentare

  • Antworten Marie 30. April 2017 at 18:19

    Huhu liebe Nelly,

    puuuh, diese Diskussionen machen Twitter gerade irgendwie auch unerträglich. Eigentlich versuche ich mich da auch komplett rauszuhalten, auch wenn ich oftmals getriggert werde.
    Vielmehr als diese Diskussion, nervt mich aber die Arroganz mit der manche auf bestimmte Themen reagieren, so als wäre allein ihre Ansicht die richtige. Eigentlich ist das wirklich der Hauptpunkt, der mich stört: der Tonfall, in dem diese Diskussion seit Tagen geführt wird. Ich habe das Gefühl, dass da viel Wut zwischen den 140 Zeilen liegt, die manch einer da von sich gibt und das ist echt schade. Das ist es halt mit der Meinung: erstmal gibt es kein richtig und kein falsch.

    Prinzipiell muss ich zu der ganzen Diskussion sagen, dass ich manche Punkte schon verstehe. Bücher wie „Paper Princess“ und co. sind durchaus problematisch aus einer bestimmten Perspektive, aber das heißt noch lange nicht, dass sie keine Daseinsberechtigung haben oder generell unser Denken bestimmen oder verändern. Wie du glaube ich auch, dass man da vielen Jugendlichen auch einmal das kritische Denken zutrauen darf – ich war auch mal 13 und habe da nicht immer nur rosa Wölkchenbücher gelesen oder Filme geschaut. Ich denke, genau das kann man auch von der heutigen Jugend erwarten. Man muss da schlichtweg mehr differenzieren. Wenn jemand Paper Princess liest und danach jemanden sexuelle erniedrigt, dann geht da wohl einiges mehr schief als nur das Lesen der Lektüre.

    Im Grunde fühle ich mich sehr an die Killerspieldebatte erinnert, in der ja behauptet wurde, dass Killerspiele aggressiv mache und Amokläufe wahrscheinlicher macht. Es gibt halt IMMER Ausnahmen, aber ich glaube nicht, dass das Lesen eines Buches oder das Spielen eines Killerspieles da irgendetwas auslöst. Da muss schon viel mehr im Argen sein.

    Zu der Debatte um die Altersbeschränkung bei Büchern: Vermutlich wird das eh nur zum Gegenteil dessen führen, was man möchte. Nämlich, dass es für die allermeisten jungen Leser NOCH interessanter wird, sowas zu lesen. Verbote sind da ja immer so eine Sache. Und ganz ehrlich: wenn jemand das Lesen möchte, dann wird er es auch tun, egal ob man das richtige Alter hat oder nicht. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass zwei Menschen dasselbe Alter, aber einen komplett unterschiedlichen Reifegrad haben können.

    Lesen darf jeder, was er will. Ich glaube nicht, dass das wirklich zur Diskussion steht. Man darf auch nur zur Unterhaltung lesen, wenn man das will, aber das impliziert ja nicht, dass man gar nicht mehr denkt (und ich hatte das Gefühl, dass das in der Diskussion irgendwie auf manche so gewirkt hat). Ist ja Bullshit. Ich kann was lesen, mich dabei unterhalten fühlen, aber trotzdem Dinge kritisch sehen. Solange man als Blogger in seiner Review wenigstens kurz darauf eingeht, dass es kritische Inhalte gibt, finde ich das auch total legitim. Ich habe aber auch das Gefühl, dass viele nur nach kritischen Inhalten suchen, um die Bücher dann irgendwie anprangern zu können – auch irgendwie ein doofer Trend.

    So, ich hoffe, ich habe einigermaßen verständlich gemacht, was ich dazu denke 😀 Falls nicht: sorry, das Thema ist halt wirklich schwierig und ich stehe da ein bisschen zwischen den Polen – ich lese zur Unterhaltung, will aber auch durchaus anspruchsvoll unterhalten werden und gerne über sensible Themen lesen, wenn sie gut ausgearbeitet sind. Aber ich schalte halt auch gerne ab – nach einem langen Uni- und Arbeitstag oder nach dem Lesen doofer Twitterdiskussionen 😀

    Viiiele liebe Grüße,
    Marie

    • Antworten Nelly 1. Mai 2017 at 12:59

      Huhu meine liebe Marie!
      Ach es ist ein schwieriges Thema. Wahrscheinlich wäre es auch besser gewesen, ich hätte meine große Klappe gehalten…. nun steck ich eben voll mit drin, weil ich manchmal auch nicht begreifen kann und es so unfair finde, mit welcher Arroganz da teilweise rangegangen wird.
      Ich wollte niemals den Eindruck erwecken, als würde ich Gewaltverherrlichung gut finden oder ähnliches. Ich muss es auch nicht unbedingt in Büchern haben, aber wenn ein Autor seine Story so aufziehen will, dann soll er doch, muss mir ja noch lange nicht gefallen.

      Und Du hast Recht: auch ich habe mich sehr an die Ballerspiele-Diskussion erinnert gefühlt. Doch auch da bin ich der Meinung, dass kein Jugendlicher los geht und seine Mitschüler angreift, „nur“ weil er Ballerspiele gezockt hat. Da muss vorher schon einiges im Argen gelegen sein.
      Und zwecks Altersbeschränkung kann ich Dir nur wieder Recht geben: was man verbietet, hat doch noch einen viel größeren Reiz für Jugendliche. Und es ist eben auch immer eine Frage der Reife. Es gibt 14-Jährige, die wissen, was sie da lesen und es gibt auch 28-Jährige, die plötzlich denken, DAS sei die perfekte Beziehung zu einem Mann. Dann müsste man ein solches Buch prinzipiell verbieten und da lobe ich mir wieder einmal unsere Verfassung. Wenn wir hier anfangen, Verbote aufzustellen, wo soll das dann aufhören?
      Ich verstehe vor allem nicht, woher diese Diskussion plötzlich kommt. Das ganze Genre ist doch durch „liebes Mädel – böser Bube“ geprägt…. Ach es ist nicht einfach

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Moni 30. April 2017 at 18:51

    Hey Nelly,

    Ja, die Diskussion zu dem Buch ist teilweise echt eskaliert, obwohl ich das Buch ja auch durchaus kritisch sehe und ein FSK bei Büchern gar nicht so schlecht finden würde. Bei Computerspielen und Filmen wird das ja schließlich auch getan. Dass das Jugendliche nicht unbedingt davon abhält, diese Spiele und Filme trotzdem zu spielen/gucken, ist mir dabei durchaus bewusst. Aber das Argument, wir sollten froh sein, dass Jugendliche überhaupt was lesen, finde ich eher fadenscheinig. Das würde FSK an sich obsolet machen irgendwie, finde ich. Bei Büchern darf alles Mögliche gelesen werden ohne aufs Alter zu achten, aber bei Filmen und Computerspielen gibt es Warnungen? Ist ein bisschen komisch, oder nicht? Dann könnte man das da doch auch gleich abschaffen.
    Dass es immer Jugendliche geben wird, die damit umgehen können und andere weniger gut ist mir auch klar. Du hast schon recht, bei denen, die nicht damit umgehen können, ist sicher auch schon vorher was in der Erziehung falsch gelaufen. Schön finde ich das vermittelte Weltbild für Jugendliche dennoch nicht und würde mir da durchaus wünschen, dass mehr darauf hingewiesen wird. Denn von außen sieht das Buch total harmlos aus und ich würde eine ganz andere Geschichte vermuten.
    Bei Erwachsenen wiederum sehe ich das Ganze dann durchaus wiederum anders. Wenn Ihnen die Geschichte gefällt, dann gefällt sie. Da bin ich auch absolut bei dir, dass jeder das Lesen sollte, was er möchte. Mich persönlich hat die Geschichte auch an sich nicht überzeugt.

    LG, Moni

    • Antworten Nelly 1. Mai 2017 at 14:11

      Hey Moni!
      Vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Ich sehe zwischen Filmen und Spielen auf der einen Seite und Büchern auf der anderen Seite schon noch einen Unterschied. Ich denke, es ist was anderes, ob der Spieler „selbst die Waffe bedient“ oder mitansehen muss, wie Menschen Leid angetan wird, oder ob ich „nur“ darüber lese. Ich kann Deinen Blickwinkel allerdings verstehen. Und vielleicht wäre eine Kennzeichnung sinnvoll. Meine Befürchtung bei sowas ist nur immer, dass es das Interesse bei den Jugendlichen eben gerade dann weckt.

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Buchbahnhof 30. April 2017 at 20:03

    Hallo Nelly,
    sehr gut geschrieben. Ja, ich fand beim ersten Artikel dieser Art durchaus, dass man etwas genauer hinschauen sollte, welche Verhaltensweisen romantisiert werden und wie so geradee junge Leser, beeinflusst werden. Mir selbst ist bereits im vergangene Jahr der Protagonist aus „begin again“ sauer aufgestoßen. Aber, was jetzt abgeht, das nervt nur noch. Es ist ja eine regelrechte Hexenjagd ausgebrochen und die muss definitiv nicht sein. Aufmerksam machen gerne, aber beleidigend werden und Blogger angreifen, weil sie Bücher mögen, die andere als problematisch empfinden, das geht einfach zu weit. Ich verstehe auch nicht, dass diejenigen nicht begreifen, dass man andere Menschen nicht durch Aggressivität überzeugt.
    Mir selbst ist es bei meiner Rezension zu „Ein Rockstar zum Verlieben“ aufgefallen. Ich habe mich fast nicht mehr getraut, eine Rezension zu schreiben und zu sagen, dass mir das Buch gefallen hat. Das kann es doch nicht sein.
    Mein Lerneffekt aus dieser ganzen „Diskussion“ ist, dass ich mich zukünftig völlig aus sowas raushalte, durchaus etwas sensibler lesen und strenger bewerten werde, aber es mir nicht nehmen lasse, dass ich solche Bücher auch zukünftig gut bewerten werde, wenn sie mich unterhalten haben.
    Viele liebe Grüße
    Yvonne

    • Antworten Nelly 1. Mai 2017 at 15:39

      Hallo Yvonne!
      Vielen Dank für Deinen lieben Zuspruch und Deinen Kommentar.
      Ich muss ehrlich gestehen, dass ich wirklich auch mal drüber nachgedacht habe, „Paper Princess“ zu lesen, einfach nur, um zu schauen, ob der Hype gerechtfertigt ist. Doch ich hab mich ehrlich nicht getraut!! Das muss man sich mal vorstellen.

      Ich bin auch überhaupt nicht der Meinung, dass man nicht kritisch lesen sollte und ich selbst weise auf Problemthemen in Büchern eigentlich auch hin. Mich stört nur, dass man die Verantwortung immer vom einen zum anderen schiebt. Und vor allem, dass den heutigen Jugendlichen wohl jedes eigene Denkvermögen abgesprochen wird.

      Obwohl es mir schwer fällt, meine Klappe immer zu halten, werde ich auch mich zusammenreißen und beim nächsten Mal einfach meinen Ärger runterschlucken 😀

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten AberRush 30. April 2017 at 21:53

    Auf der einen Seite stellst du in den Raum, das sexuelle Übergriffe verherrlicht werden. Dann schreibst du, dass nicht alles ross-rot ist und du nicht willst dass Geschichten ohne Ecken und Kanten veröffentlicht werden. Aber sind zwei verschiedene Sachen. Es gibt einen Unterschied, ob es in Ordnung ist, wenn Frau es gern hinnimmt ob sie erniedrigt wird, oder ob Gewalt dargestellt wird. Wichtig ist foch, was es den Lesern vermittelt. Stell dir vor, deine Tochter (14) liest das und denkt es ist in Ordnung sexuell gedemütigt zu werden. Das geht gar nicht. Deshalb liegt das auch in der Verantwortung der Autoren, das wenigstens so darzustellen, dass es halt nicht in Ordnung ist. Girlies reden vom Bad Boy, aber warte ab, bis die mal auf einen treffen. Dann ist das bestimmt nicht mehr so toll wie im Buch. Teenies eifern allem nach, vergiss das nicht.

    • Antworten Nelly 30. April 2017 at 22:09

      In erster Linie liegt es dann in meiner Verantwortung als Mutter, dass ich mein Kind so erziehen, dass es weiß, dass Frauen nicht gegen ihren Willen erniedrigt werden dürfen und dass sie auch in einer romantischen Beziehung einen eigenen Willen haben. Wenn meine Tochter mit 14 ein Buch wie Paper Princess liest und anschließend der Meinung ist, dass es in Ordnung ist, sexuell gedemütigt zu werden, dann habe ICH ihr die falschen Werte vermittelt und dann kann ich die Verantwortung auch nicht auf Autoren, Verlage und Blogger schieben

      • Antworten Elena 30. April 2017 at 23:54

        Aus meiner Sicht überschätzt du da den Einfluss der Erziehung auf Kinder und Jugendliche, Nelly. Natürlich ist es wichtig, dass die Eltern ihren Kinder Werte vermitteln und zu einem gewissen Grad immunisiert es diese gegen falsche Vorstellungen. Aber der Einfluss der Peergroup und von Vorbildern ist grad in der Pubertät teilweise größer als der der Eltern. Außerdem kommen ja nicht alle Jugendlichen aus Familien, die ihnen ein differenziertes Weltbild vermitteln. Haben die dann einfach Pech gehabt?

        Bin da mit meiner Meinung bei Moni: Natürlich verhindert eine FSK nicht, dass Jugendliche das Buch lesen, wenn sie es wollen. Aber es verhindert, dass jemand es in Unkenntnis seines Inhaltes kauft. Meiner Meinung nach sollte dieses Buch ganz klar so vermarktet werden, dass der Käufer erkennt, dass es kein Jugendbuch ist. Die deutsche Beschreibung wurde ja vom Verlag anscheinend in Hinsicht auf eine jüngere Zielgruppe verändert, auf Englisch liest sich diese schon wesentlich eindeutiger. Zusammen mit dem Cover ahnt da doch niemand den Inhalt.

        • Antworten Nelly 3. Mai 2017 at 20:30

          Natürlich gibt es auch genug Kinder, die einfach nicht aus intakten Familien kommen und auch kein differenziertes Weltbild vermittelt bekommen. Aber es gibt bestimmt auch Erwachsene, die sich mehr von einem solchen Buch beeinflussen lassen als andere Altersgenossen. Soll heißen: es gibt einfach viel zu viele Einzelfälle, um ale Eventualitäten abzudecken. Doch wenn Kinder diese Werte nicht von zuhause mitbekommen, dann steigen noch lange nicht Autoren, Verlage, Blogger und andere Mitmenschen in die Verantwortung.
          Was die Vermarktung angeht…. Man könnte da vielleicht auch ganz subtil den Klappentext einfach dahingehend ändern, dass man nicht ganz blind hineinliest. Wäre bestimmt machbar gewesen

          Alles Liebe, Nelly

    • Antworten Janine 30. April 2017 at 23:44

      Hast du als Teenie auch allem ohne darüber nachzudenken nachgeeifert? Wenn nein, warum unterstellst du das den heutigen Jugendlichen?

      • Antworten AberRush 1. Mai 2017 at 6:54

        Du meinst Drogen genommen? Geraucht? Ohne nachzudenken rumgevögelt? Ähm … ja! Und ich komme aus einem Haushalt wo einem sowas bestimmt nicht vermittelt wurde. Jetzt bist du Jugendlicher und dir wird dann sugeriert, dass so etwas wie sexuelle Demütigung i.O. ist. Überlege mal was so etwas mit einem Teenie macht?

        Jeder kann lesen was er will. Du weißt doch vorher nicht was im Buch drin steht. Aber wenn Verlage und Autoren der Meinung sind, dass die Darstellung egal ist und es dann noch für ein jüngeres Publikum anpreisen, dann ist das doch verantwortungslos. Um mehr geht es doch gar nicht. So eine in Szene gesetzte sexuelle Demütigung, kann doch erzählt werden, aber vielleicht kann man dort ansetzen, dass dies nicht auch noch gutgeheißen wird von den Protas. Eine Einsicht über sein Fehlverhalten könnte dem Leser zumindest zu verstehen geben, dass diese Aktion falsch war.

        Natürlich glaubt nicht jeder Teenie alles, dann wären Sie dumm und das habe ich nie gesagt. Aber der Gedanke ist dann da, ob so etwas heutzutage in unserer Gesellschaft scheinbar trolleriert wird. Also sinkt die Hemmschwelle, das ist die logische Konsequenz. Nicht jeder Computerspieler wird zum Amokläufer. Aber jeder Amoklauf oder Terroranschlag stumpft uns mehr ab.

  • Antworten Janine 30. April 2017 at 23:43

    Liebe Nelly,

    vielen Dank für deinen Beitrag, den ich genauso auch unterschreiben kann. Twitter ist aktuell kaum zu ertragen und ich selbst bin auch kurz vorm Platzen.
    Was mich neben diesem ganzen Anprangern von Bloggern ebenfalls nervt, ist, dass unsere heutigen Teenies als völlig deppert hingestellt werden, die nicht selbständig denken können und anscheinend alles wortwörtlich nehmen, was sie irgendwo lesen. Ich war als Teenie nicht so (ja, es hat auch was mit persönlicher Reife zu tun, etc.), und auch die heutigen Jugendlichen sind doch keine Marionetten von Film, Fernsehen und Autoren, die stur die Denke von Büchern/Filmen übernehmen. Oder?
    Ich werde auch weiterhin New Adult lesen und es weiterempfehlen, wenn es mir gefallen hat. Denn auch ich erlaube es mir, Bücher teilweise nur aus purer Unterhaltung zu lesen ohne jeden Satz auf die Waagschale zu legen, egal aus welchem Genre es kommt.
    Ich hoffe, es findet sich bald ein neues Thema, damit man Twitter mal wieder freudig öffnen kann, ohne das Gefühl zu haben, sich für sein Leseverhalten rechtfertigen zu müssen.

    Liebe Grüße und einen schönen Feiertag,

    Janine

    • Antworten Nelly 3. Mai 2017 at 18:16

      Hallo Janine!
      Vielen Dank für Deinen Kommentar und Deinen Zuspruch. Ich hoffe, Du verzeihst mir die späte Antwort.
      Ich kann Dir nur vollkommen zustimmen. Unsere Jugendlichen werden da als so dermaßen doof dargestellt. Natürlich sind die in diesem Alter bestimmt noch bis zu einem gewissen Grad beeinflussbar. Aber doch nicht dermaßen, dass sie sich vom Lesen eines oder zweier Bücher komplett in ihren Ansicht beeinflussen lassen.
      Wenn ich solche Bücher lese, dann rege ich mich meistens eher drüber auf, wie doof die Protas teilweise sich geben und alles mit sich machen lassen. Aber das ist ja teilweise so auffallend, wie kann einem das nicht auffallen??
      Ich hoffe auch, dass die Twitter Diskussion demnächst ein Ende hat. Eigentlich hätte ich mich da nie einmischen dürfen, das geht echt an die Substanz

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Elli 1. Mai 2017 at 9:06

    Liebste Nelly,
    Amen to that! Wir haben viel drüber diskutiert und mir hängt das Thema auch schon zum Hals raus aber ich kann deinen Beitrag genau so unterschreiben!
    In Jugendbüchern wird auch öfter über Alkohol- und Drogenexzesse berichtet, da regt sich keiner auf. Aber sobald es mal wieder um dieses kritische Thema Sex und Gewalt geht, explodieren wieder alle. Du hast vollkommen Recht, WENN jemand los geht und sich aufgrund eines Buches so verhält, dann liegt es zum kleinsten Teil an dem Buch selbst.
    Grandioser Beitrag! Lass dich nicht unterkriegen und einen schönen ersten Mai! Ich hoffe, du verbringst ihn mit spannender und unterhaltender Literatur! 😉
    Liebste Grüße,
    Elli

    • Antworten Nelly 4. Mai 2017 at 7:18

      Hey Elli!
      Ich freue mich sehr über Deinen Zuspruch. Und ja, Du hast Recht, wir haben ausführlich darüber diskutiert und es hat mir unendlich gut getan, zu wissen, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine dastehe.
      Ich wünsche uns nun einfach allen, dass man Twitter demnächst wieder freudig öffnen kann und auch mal wieder andere Themen präsentiert bekommt.

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Chrissi 1. Mai 2017 at 10:35

    Guten Morgen Nelly,
    Danke für diesen wichtigen Beitrag.
    Ich hab mich (auch aus zeitlichen Gründen ) aus den Diskussionen herausgehalten. Deinen Beitrag kann ich fast so unterschreiben. Ich bin froh zur Abwechslung mal einen so ausführlichen Beitrag zu lesen, der es ein bisschen differenzierter sieht. Ich bin Buchhändlerin. Ich würde das Buch nicht aktiv einem Jugendlichen empfehlen und denke mir bei allen Erwachsenen auch: Lesen und Lesen lasse. Ich selbst hab die ersten 2 teile bereits gelesen und denke auch: Bei dieser Unterhaltungslektüre wird sich der Autor nicht hingesetzt und über den größeren Philosophsichen Wert nachgedacht haben.

    Viele Grüße
    Chrissi

    • Antworten Nelly 4. Mai 2017 at 10:22

      Hallo Chrissi!
      Vielen Dank für Deine Meinung. Mich freut es persönlich, dass auch jemand vom Fach eine ähnliche Meinung vertritt.
      Im Nachhinein hätte ich mich wohl auch lieber aus der Diskussion rausgehalten, da sie ganz schön an die Substanz gegangen ist, das kann ich Dir versprechen.

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Lisa 1. Mai 2017 at 10:52

    Huhu Nelly,
    Puuh dieses Buch spaltet echt die Geister, doch ich muss sagen viele übertreiben auch. Ich habe das Buch erst vor kuzem beendet und auch ich finde manches grenzwertig. ABER da gibt es schlimmeres. Da ist z.b. Shades of Gray viel schlimmer. Und ich gebe dir recht es liegt auch viel bei den Eltern. Man muss seinem Kind bestimmte werte bei bringen und vor allem sich auch Informieren was Liest mein Kund denn da. Ich würde meine 14 Jährigen Tochter nicht erlauben Shades of Gray zu Lesen aber das muss jeder selber wissen. So eine Diskusion gab es schon bei SoG und After Passion und auch jetzt UND die wird es immer wieder geben also so what. Ich halte mich bei so was raus, denn jeder hat seine eigene Meinung und das ist auch gut so.

    LG Lisa

    • Antworten Nelly 4. Mai 2017 at 12:56

      Huhu Lisa!
      Da hast Du recht: diese Diskussion wird immer wieder aufkommen.
      Ich habe zwar Paper Princess nicht gelesen, aber SoG tatsächlich schon. Und da empfand ich Ana vor allem als dumm an manchen Stellen. Ich hatte auf jeden Fall nicht das Gefühl, dass die Beziehung zwischen den beiden romantisiert wird, denn gerade bei Christian hatte ich immer wieder das große Gefühl, dass DAS krank ist.
      Ich denke auch, dass Eltern einfach auch ein Auge drauf haben müssen, was ihre Kinder lesen. So wie Du sagst: es gibt Bücher, die man seinem Kind einfach nicht in die Hand drücken würde. Und das kann ich nur unterstützen.

      Alles Liebe, Nelly

  • Antworten Janna | KeJas-BlogBuch 1. Mai 2017 at 12:07

    Ich habe wirklich hin und her überlegt ob und was ich auf deinen Beitrag schreibe … und mich dazu entschlossen diesen von meiner Seite her nicht unkommentiert zu lassen.

    Ich habe mich mit meiner Blogkollegin innerhalb eines Beitrages bereits vor einigen Tagen geäußert und fühle mich auch hier nicht explizit angesprochen – denn diese eine Aussage von dir unterschreibe ich: Jeder kann/soll/darf lesen was er/sie möchte.
    Natürlich lese ich ebenfalls um mich zu Unterhalten bzw. unterhalten zu lassen, finde aber definitiv das eine kritische Auseinandersetzung von bestimmten Büchern und besonders Themen nicht fehlen darf! Und hier wären wir genau an dem Punkt!

    Ich unterstelle den LeserInnen dieser Bücher (und damit meine ich weitaus mehr als nur dieses eine genannte Beispiel!) nicht, sie können nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden, aber so wie wir Einfluss auf verschiedene Medien nehmen, tun diese es auch umgekehrt. Was passiert in den Jahren, wenn solche Szenen als erotisch, erregend und/oder romantisch beschrieben und von den LeserInnen so empfunden und weiter gegeben werden? (Und ich möchte die Altersklasse mal komplett außenvorlassen!)

    Lesen entbindet nicht vom selbständigem Denken, natürlich nicht – aber von was reden wir hier? Wir sprechen nicht über blutige Thriller, die für bestimmte Szenen bekannt und Genre-entsprechend eben genau in diesen Büchern zu finden sind.
    Ich spreche von Büchern die Erotik und Liebe darstellen wollen und dies auf eine nicht nachvollziehbare Art und Weise! Ich spreche hier auch nicht von Büchern, welche von einer bestimmte sexuelle Phantasie im Einverständnis beider Seiten handelt, sondern um Bücher die Erniedrigung, Gewalt und Übergriffe zwischen zweier Personen romantisieren und das ist für mich aus vielerlei Gründen ein absolutes No-Go!:

    Nehmen wir hier mal ein anderes Buchbeispiel: „Trinity“ – eine Sexszene wird als gewaltsam und geprägt von Wut beschrieben, ebenfalls benennt die Protagonistin dies genau so! Und das wars, es wird nicht weiter aufgenommen und aufgearbeitet. Es geht nicht um ein problematisches Buch, sondern um einen Roman welcher die Beziehung zweier Menschen und ihrer großen Liebe zueinander darstellen will, gespikt mit erotischen Szenen und genau um dies dreht sich doch die Grunddiskussion!! Es ist NICHT prickelnd wenn die Protagonisten klar beschreibt/benennt, das es sich um Gewalt handelt, das diese Situation fernab jeglicher Erotik ist (und hier beziehe ich mich auf weitere Bücher!). Und doch wird dies im Buch genau so weiter gesponnen – eine sich falsch anfühlende Situation wird als genussvoll beschrieben. Und DAS ist es worum es in der Ausgangsdiskussion geht!

    Ich könnte noch weiter ausholen, begründen, Beispiele benennen – aber wenn man mich bis hierhin nicht versteht, worum es mir bezüglich solche Szenarien geht, dann ist jedes weitere Wort überflüssig …

    Ich kann mich als Bloggerin nicht aus der Verantwortung ziehen! Ich muss auf Missstände eines Buches aufmerksam machen, da ich egal ob 3 LeserInnen oder 300, eine Person (in) der Öffentlichkeit bin! Ich kann sehr wohl ein Buch gut finden, aber im gleichen Atemzug auch klar kritisieren.

    Problematische Themen sollten/müssen in Büchern thematisiert, aber eben auch aufgearbeitet werden. Ich als Autor kann nicht bspw. eine Missbrauchsszene hineinarbeiten und diese noch als Erotik verkaufen! Es geht nicht darum ob das Buch anspruchsvolle Literatur ist oder nicht, es geht um Bücher welche falsch vermarktet werden und nicht klar als das gekennzeichnet sind was sie sind – nein, ich spreche nicht explizit von FSK, aber ich spreche von deutlicheren Klappentexten, Vorworten. Und Trigger-Warnungen die gerade bei diesen Büchern und solchen Szenen Pflicht sein sollten! warum? Hier möchte ich ein Opfer sexueller Gewalt zitieren:
    „Dass solche Beschreibungen triggern können, betrifft einen Großteil von Betroffenen. Und wer sich bei solchen Büchern nichts weiter denkt, weil die entsprechende Warnung fehlt, kann ganz leicht in alte Schemata verfallen – bis zur Retraumatisierung, weil vielleicht genau diese beschriebene Szene dem entspricht, was man selbst erlebt hat.
    Genau da fängt unter Umständen das Kopfkino an, wenn man nicht darübersteht:
    Möglicherweise fragt sich die Leserin dann, warum sie selbst die Situation als gewaltvoll eingeschätzt hat, die Protagonistin im Buch anscheinend aber nicht? Das empfinde ich persönlich als Gefahr.
    Selbst wenn diese Bücher als Erwachsenenliteratur gelten und in entsprechenden Genres zu finden wären, so ist es doch trotzdem Gewalt!“

    Warum wird Liebe und Sex neuerdings gleichgestellt mit Erniedrigung, Kontrolle, Macht und Gewalt??
    Anmerkung am Rande: meine Tochter ist 15 und würden ihr solche Szenarien nicht sauer aufstoßen, hätte ich ebenfalls etwas in meiner Erziehung falsch gemacht!

    Ich kann nur für mich sprechen:
    Mir geht es nicht darum etwas vorzuschreiben, sondern auf etwas aufmerksam zu machen – so wie nun einige LeserInnen sich nicht absprechen lassen wollen was sie lesen, möchte ich es mir nicht nehmen lassen zu solchen Szenarien eine Meinung,Stellung zu vertreten.

    Ich finde es einfach nur traurig wie sich der Grundkern völlig verliert in all den Diskussionen (bei versch. Beiträgen und den sozialen Netztwerken)!

  • Antworten Linda // dufttrunken 2. Mai 2017 at 13:15

    Huhu Nelly,
    im Grunde kann ich deinen Post verstehen. Und so sehr ich die Ansicht von all den Stimmen, die sich gegen ‚Paper-Princess‘ und ähnliche Bücher aussprechen, bin, muss ich auch sagen, du hast Recht. Gerade mit dem Punkt ‚Auch schlechte Werbung ist Werbung‘ bin ich ganz bei dir. Dennoch teile ich nicht deine vollständig deine Meinung.
    Es geht mir auch gar nicht so sehr um die Jugendlichen, die auf einen falschen Weg gestoßen werden – denn auch hier gibt es, wie bei den Erwachsenen auch, die Vernünftige und die Leichtsinnigen. In einem Buch hört sich sowas toll und erotisch an, im wahren Leben ist das keineswegs immer so. Dass da nicht nur Jugendlichen ein falsches Bild der Liebe vermittelt wird, sondern auch Erwachsenen… da will ich gar nicht weiter reden, dass ist klar.

    Viel sauerer stosst mir auch vor allem deswegen solche Literatur auf, weil Menschen und insbesondere Frauen jahrelang dafür kämpfen, dass sexuelle Belästigung bzw. sexuelle Gewalt als solche anerkannt wird und in so einem Buch wird das mal ebenso als romantisch und im Grunde von der Frau gewollt hingestellt.
    Da kommt mir leider die Feministin durch, die sagt (und natürlich gilt das, auch wenn ich jetzt die weibliche Sparte anspreche, auch für Männer) – AutorINNNEN, warum macht ihr solch ein Rückschritt? Gerade die Stimme einer Frau, die gehört wird von Jugendlichen, Erwachsenen etc., wird dafür genutzt um Propaganda für etwas zu machen, was eigentlich eine Verletzung des Grundrechts ist?
    In unserer wunderbaren Verfassung steht nämlich auch, dass die Würde des Menschen unantastbar ist.

    Vielleicht ist das für dich überzogen dargestellt und vielleicht hast du Recht. Ich habe Paper-Princess nicht gelesen und habe es auch nicht vor. Und ja, auch ich lese Bücher, in denen es nicht gewaltfrei zugeht. Der große Unterschied liegt darin, dass es meist zu einer Verhaftung und einer Strafe für die Taten kommt. Und wenn nicht, wird klar deklariert, dass es definitiv nicht okay ist, so etwas zu tun.

    Liebe Grüße,
    Linda

  • Antworten Kate 2. Mai 2017 at 17:00

    Ganz ehrlich?
    Diese Diskussion geht mir so auf die Nerven! Ich hab anfangs gar nichts davon mitbekommen, aber dann ist es in den sozialen Medien irgendwie wie eine Bombe explodiert.

    In vielen Büchern geschehen schlimme Dinge, es gibt Kriege in Fantasywelten, Mord in Krimis und Thrillern, und Selbstmord und Mobbing in Jugendbüchern. Wenn ein Autor über diese Dinge schreibt, heißt das ja nicht, dass er sie gutheißt. Im Gegenteil! Meistens kreidet er sie an oder berichtet einfach über Zustände, die existieren. Oder er schreibt eben einfach ein Buch ohne Hintergedanken, dass einfach nur spannend sein soll. Ich verstehe nicht, wieso viele das nicht einsehen können.

    Mich sprechen Bücher wie Paper Princess auch nicht an. Überhaupt nicht. Aber ich akzeptiere es, wenn es anderen gefällt. Und ich verurteile sie deswegen nicht. Schade, dass es manche schon tun.

    Auch mit der Altersbeschränkung hast du Recht. Ich glaube, dass jeder normale Mensch versteht, wann ein Buch fiktiv ist und wann nicht. Aber in der Hinsicht müsste man dann wohl auch einen Großteil der Werbung erst spät in der Nacht ausstrahlen, weil sie eine falsche Realität aufzeigen und Jugendliche manipulieren können.

    Ich hoffe jedenfalls, dass dieses gegenseitig mit dem Finger auf einen zeigen aufhört. Natürlich kann man solche Bücher kritisch sehen. Soll man vielleicht auch. Aber dass daraus immer so eine Hetze werden muss, finde ich schade.

    Liebste Grüße
    Kate ♥

    • Antworten Linda // dufttrunken 3. Mai 2017 at 16:07

      Der Punkt ist ja, dass bei Paper-Princess das eben nicht so ist, dass der Autor das ankreidet – die Autorinnen romantisieren das ja.

      • Antworten Kate 6. Mai 2017 at 9:05

        Wie gesagt, manche Autoren wollen es ankreiden. Hier hat die Autorin wahrscheinlich einfach nur ein Buch geschrieben, das ihre Leser vollkommen fesseln soll – ohne jegliche Hintergedanken.
        Und Fakt ist, dass solche Bücher momentan der Renner sind. Autoren schreiben zwar Geschichten zur Unterhaltung, aber es ist immer noch Business.

  • Antworten Madame Lustig 9. Mai 2017 at 10:25

    Hallo Liebes,
    du kennst meine Meinung zu dem Thema bereits, weswegen ich hier nicht noch groß darauf eingehen werde. Ich möchte es mir dennoch nicht nehmen lassen, dir zu sagen, wie toll ich deinen Artikel finde und dir dafür danken, dass du den Mut hattest, auch gegen den Strom zu schwimmen. Das ist nicht immer leicht, ich weiß.

    Fühl dich ganz lieb gedrückt.
    Maike

  • Antworten Nicci Trallafitti 15. Mai 2017 at 14:12

    DANKE!!!
    Du sprichst mir aus der Seele.
    Ich kann dir ausnahmslos in allen Punkten zustimmen und werde deinen Beitrag definitiv teilen.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    • Antworten Nicci Trallafitti 15. Mai 2017 at 14:17

      P.S. würde deine Seite gerne per Mail abonnieren, was aber leider nicht möglich ist.

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