Rezension

Ich, Molly Marx, kürzlich verstorben // Sally Koslow

Molly Marx führt ein ganz gutes New Yorker-Leben. Sie ist gerade 35, mit einem Schönheitschirurgen verheiratet und Mutter einer 3-jährigen Tochter. Wäre da nicht dieses klitzekleine Detail: seit kurzem ist sie darüber hinaus auch tot. Am Ufer des Hudson Rivers wurde Mollys Leiche gefunden und es ist absolut unklar, was der jungen Frau zugestoßen ist. Doch neben Ehemann und Kind lässt sie auch ihre Eltern zurück, eine Zwillingsschwester, die beste Freundin und auch einen Geliebten…

Eine Tote, die aus dem Jenseits Familie und Freunde begleitet

Allein vom Klappentext erfährt man erst einmal nur wenig darüber, was für eine Art Buch einen hier erwartet. Und die etwas kindlich angehauchte Covergestaltung lässt vielleicht den einen oder anderen Leser an dieser Geschichte vorbeigehen, womit ihnen dann aber wirklich was entgeht. Und wenn man dann die ersten Seiten gelesen hat, weiß man ehrlich gesagt immer noch nicht, wohin es gehen wird.

Molly Marx ist eines Tages unter Umständen gestorben, die scheinbar nicht nur dem Leser erst einmal unbekannt bleiben, sondern ihr selbst auch. Daher bleibt sie noch ein wenig „hier“ und beobachtet ihre Lieben (und auch die nicht so Lieben). Dabei wird ihr ein Berater zur Seite gestellt, den man wohl auch als Engel bezeichnen könnte. Allerdings ein Engel mit einem staubtrockenen Humor.

Also beginnt Molly, ihre Familie und Freunde zu begleiten, ohne dass die davon etwas wissen. Man neigt bei „toten“ Charakteren in Büchern gerne dazu, dass man diese etwas verherrlicht. Selbst wenn sie im ganzen Buch keinen einzigen Fehler zeigen, fällt einem das meist nicht auf. Aber zu diesen Charakteren gehört Molly tatsächlich nicht. Denn sie hat Schwächen und Fehler und das nicht gerade wenige. Was auf den ersten Blick ausschaut wie eine Vorzeigehausfrau, entpuppt sich schnell als unglücklich Ehefrau mit Affäre.

molly marx

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Dass Molly so gar nicht perfekt war, war einfach sympathisch. Damit war sie so viel mehr realer, als sie es andersherum gewesen wäre. Denn jeder Mensch hat eben so seine Fehler. Und Sally Koslow war da auch wirklich konsequent. Gerade Barry, Mollys Ehemann, ist ihr wunderbar gelungen. Zunächst bekommt man den Eindruck, es mit einem Arzt zu tun zu haben, der sich für einen Halbgott in weiß hält. Und anfangs bekommt man auch kurz das Gefühl, als wäre dieser Mann vor allem eines: arrogant. Aber auch hier merkt man schnell, dass nicht immer alles schwarz und weiß ist. Natürlich hat Barry seine Fehler, aber er zeigt auch liebenswürdige Seiten und vor allem zeigt er auch Gefühl.

Recht schnell lernt man die Charaktere kennen und lieben. Durch ihre Allgegenwärtigkeit hat Molly die Möglichkeit, ihre Lieben dabei zu beobachten, wie sie mit ihrem Verlust und ihrer Trauer klar kommen. Und auch ein Thema ist die Lücke, die Molly an den verschiedensten Stellen hinterlassen hat. Molly hat dabei auch den Vorteil, dass sie die Gedanken aller Menschen lesen kann. Somit weiß man natürlich immer Bescheid.

Sally Koslows Schreibstil kann einen dabei wirklich abholen. Denn sie hat nicht nur das Witzige drauf oder nur das Melancholische. Sie vermischt die unterschiedlichen Emotionen miteinander, ist manchmal nachdenklich, manchmal locker humorvoll. Dabei scheint immer wieder ein ganz wundervoller Humor durch, der einfach Spaß gemacht hat.

Einen kleinen Wehmutstropfen gab es dann aber doch wieder. Und zwar das Ende… Von jetzt auf gleich zieht Molly sich von der irdischen Welt zurück. Zwar erfährt man noch, wie sie ums Leben gekommen ist, aber irgendwie wird die Verbindung zu ihr sehr rasch getrennt. Nachdem Koslow eigentlich ihre ganze Geschichte in einem sehr gemächlichen Tempo angegangen ist, kam das Ende sehr überhastet.

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Fazit

Die Geschichte von Mollys Leben nach dem Tod glänzt durch seine Vielfalt. Es gibt traurige Stellen, es gibt witzige Passagen und auch das Gefühl kommt nicht zu kurz. Obwohl die Frage nach Mollys Tod ständig über der Geschichte schwebt, stellt dieser nicht das Hauptaugenmerk dar. Wer gerne von jedem Genre ein bisschen hätte, der sollte sich dieses Buch mal genauer anschauen.


molly marxIch, Molly Marx, kürzlich verstorben | Sally Koslow

Verlag: dtv
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenzahl: 368
Reihenfolge: Einzelband
Originaltitel: The Late, Lamented Molly Marx
übersetzt von: Britta Mümmler
erhältlich als: Taschenbuch | eBook

Klappentext



Totsein ist gar nicht so einfach.

Molly ist Mitte dreißig, als sie stirbt, hat eine kleine Tochter und einen Ehemann, mit dem sie es gerade wieder versuchen wollte. Jetzt schwebt sie als Geist über ihrem eigenen Begräbnis und ist gar nicht zufrieden. Ein bisschen stimmungsvoller und idyllischer hätte es schon sein dürfen. Und eins steht für Molly fest: Sie will noch nicht endgültig ins Jenseits verschwinden. Sie muss doch wissen, was aus ihrer Tochter wird, aus ihrer lebensuntüchtigen Schwester, ihrer besten Freundin, ihrem untreuen Ehemann – und ihrem Geliebten. Hinzu kommt, dass sie sich an die genauen Umstände ihres Todes nicht erinnert. Sie hatte einen Unfall mit dem Fahrrad, aber wie kam es dazu? Offenbar ging nicht alles mit rechten Dingen zu, denn ein Detective der New Yorker Polizei ermittelt.


Weitere Meinungen zum Buch findet Ihr bei:

Büchersüchtig | Enni liest

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3 Kommentare

  • Antworten Neri von Leselaunen 9. November 2017 at 19:36

    Klingt interessant, wäre aber nichts für mich. Ich kenne allerdings das Phänomen, dass das Cover eines Buches ganz Anderes vermuten lässt, als es der Inhalt dann letztendlich tut.

    Neri, Leselaunen

  • Antworten Lotta 13. November 2017 at 17:00

    Liebe Nelly,
    Ich muss sagen, dass ich den Titel erst toll fand, aber nach deiner Rezension ist mir ziemlich klar, dass dies kein Buch für mich ist. Danke, dass du mich davor bewahrt hast. 😉

    Liebst, Lotta

  • Antworten Joel 20. November 2017 at 21:06

    Wirklich interessanter, ansprechender Buchtitel! Allerdings enttäuschte mich der wirkliche Inhalt dann ein bisschen.
    Liebe Grüße
    Joel von Büchervergleich.org

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