Rezension

Verwesung // Simon Beckett

„Schon wieder eine Beckett-Rezension?“ werdet ihr denken… Und da kann ich nur antworten: jaaa! Meiner Meinung nach ist die Thriller-Reihe rund um den Anthropologen eine der besten, die man derzeit auf dem Markt bekommen kann. Beckett schafft es jedes Mal wieder, den Leser in seiner Geschichte gefangen zu nehmen und würzt das Ganze dann noch mit einem authentischen und fachkundigen Protagonisten. Ob Teil 4 der Reihe sich hier nahtlos einreiht, berichte ich euch heute.


Verwesung | Simon Beckett
Rowohlt | 2012 | 448 Seiten | #4 der David Hunter-Reihe
Original: The calling of the crave | übersetzt von: Andree Hesse
erhältlich als: Hardcover | Taschenbuch | eBook


Der Inhalt

Tief vergraben schlummert die Wahrheit.

Das Zimmer ist ein Trümmerhaufen, die junge Frau grausam zugerichtet. Neben der Leiche findet man den Mörder, blutverschmiert: Schon lange steht Jerome Monk im Verdacht, drei junge Frauen getötet zu haben. Als er nun alle vier Morde gesteht, ist niemand überrascht. Doch Monk weigert sich zu verraten, wo er die Leichen vergraben hat. Auch der Einsatz des forensischen Anthropologen, Dr. David Hunter, bringt keine neuen Erkenntnisse.
Acht Jahre später gelingt Monk die Flucht aus dem Zuchthaus. Panik befällt die Anwohner der Gegend. David Hunter versucht, Monk zu stoppen. Doch der kennt sich in der nebligen Einsamkeit des Dartmoor besser aus als jeder andere …

[ Quelle: Rowohlt ]

Meine Meinung

Die Handlung des vierten Teils der Reihe beginnt zeitlich gesehen vor den Handlungen seiner Vorgänger. Als Leser lernt man David Hunter von einer Seite kennen, die man bisher nur vom Hörensagen kannte, man erlebt ihn als Vater und Ehemann. Beckett steigt in Verwesung zu einem Zeitpunkt ein, der vor dem schweren Unfall liegt, der Hunters Leben verändert hat. Doch schon damals war er als Anthropologe bei der Polizei schwer gefragt. Daher soll er dabei helfen, die Leichen zweier junger Frauen zu finden. Jerome Monk, ein Tier von einem Mann, gesteht vier Morde an jungen Frauen, weigert sich allerdings, der Polizei die Ablageorte der Toten zu verraten.

Gemeinsam mit einem Team und Monk im Schlepptau macht sich Hunter auf in das Moor, in der man die Leichen vermutet. Doch alle Anstrengungen sind umsonst. Die toten Mädchen bleiben verschwunden.
Jahre später gelingt dem Mörder die Flucht und wie es scheint, hat er es auf das damalige Ermittlungsteam abgesehen. Obwohl Hunter der Ansicht ist, dass er nicht wichtig genug war, um Monks Zorn auf sich gezogen zu haben, landet er sehr schnell im Fadenkreuz des Flüchtigen. Hunter versucht, den Killer wieder einzufangen und muss dabei erkennen, dass der Fall sich eigentlich ganz anders darstellt, als sie damals angeklagt wurde.

Alter Protagonist, neue Angehensweise

Simon Beckett kehrt seinem altgedienten „System“ den Rücken. Die beiden ersten Teile folgten sehr dem vertrauten Muster, das man auch von anderen Thrillern kennt. Die Jagd nach dem Täter, der einem immer näher kommt und zum Schluss aufgedeckt wird. Dieses Mal taucht der Bösewicht ganz offen bereits gleich zu Beginn auf. Monk ist wahrlich kein normaler Mensch. Er ist groß, massiv und weist aufgrund eines Schlages vor Jahren eine riesen Delle im Schädel auf. Da hat Beckett wirklich einen furchteinflößenden Täter konstruiert. Das hat mir wirklich gut gefallen, zumal Hunters vorherige Gegenspieler weniger durch ihr Erscheinungsbild als vielmehr durch ihre Verschlagenheit Eindruck hinterließen.

Verwesung

Doch unterschwellig verfolgt einen von Anfang an das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmen kann. Immer tiefer taucht man in die Geheimnisse dieser Geschichte ein und bekommt häppchenweise Infos zugeteilt. Beckett teilt dieses Mal seine Story in zwei zeitlich getrennte Handlungsabschnitte. Zum einen gibt es da die Vergangenheit, in der man nicht nur die Vorgeschichte von Monk und seinen Taten erfährt, sondern eben auch endlich mehr über Hunters eigene Vergangenheit erfährt. Zwar weiß man schon seit Teil 1, dass Hunters Frau und Tochter gestorben sind. Nun erfährt man genau, was damals geschehen ist.

Immer wieder neue Nebencharaktere

Der zweite Handlungsstrang erinnert viel mehr an Becketts vorherige Bände der Reihe. Trotzdem spinnt sich auch der erste Strang immer wieder raffiniert mit hinein. Die Verknüpfung ist dem Autor hier wirklich gut gelungen.

Von den Charakteren her kann man keine große Überraschung erwarten. Wieder einmal wird Hunter eine junge Frau an die Seite gestellt, was man schon aus den Vorgängern immer wieder kennt. Das war aber auch mein größter Kritikpunkt am Buch. Ich würde mir, was die Nebencharaktere angeht, etwas mehr Kostanz wünschen. In jedem Buch wechselt Beckett sämtliche Charaktere (abgesehen von Hunter selbst) komplett aus. Das macht bei mir den Eindruck als sollte Hunter absichtlich als „einsamer Wolf“ abgestempelt werden, dabei könnte er ein gewisses Wiedererkennungsgefühl steigern.

Mein Fazit

Mit Verwesung begeht Simon Beckett dieses Mal etwas andere Wege und versucht, seiner Geschichte eine andere Struktur zu geben. Dies scheint wohl nicht allen Fans der Reihe gefallen zu haben, ich konnte er damit aber wirklich gut unterhalten. Lange mussten wir auch darauf warten, dass Hunters Vergangenheit mehr zum Tragen kommt. Doch dieses Mal war es endlich soweit. Kritisieren muss ich allerdings, dass Beckett einfach keine konstanten Nebencharaktere hat, die mir aber schon gefehlt haben. Alles in allem aber eine würdige Nachfolge!

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